Selbstorganisation oder Hingabe ans Leben

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Denkanstoß: Selbstorganisation oder Hingabe ans Leben

nach Jürgen Weist

Bestimmt kennen Sie den Effekt auch? Ein Thema oder ein Etwas verdichtet sich gerade thematisch in Ihrem Leben. Vielleicht ist es ja auch so, dass das Leben ganz normal (weiter)läuft und unsere persönliche Perspektive einen ganz bestimmten Fokus und damit Ausschnitt deutlicher wahrnimmt. Was auch immer ...

Passend zum Eingangstext war unsere Asienreise im Frühjahr diesmal anders. Nicht, dass alles anders gewesen wäre ... und doch war da eine erstaunliche Anzahl von Begebenheiten, die mit unseren Vorstellungen sanft kollidierten. Wir bekamen eine andere Unterkunft, Restaurants, auf die sich unser Bauch gefreut hatte, waren noch tagelang zu, die erprobte Friseurin ...geschlossen, ein anderes Motorrad (jetzt mit Helmpflicht), das Massageteam in unserer Praxis hatte gewechselt und so weiter und so fort. Nee, keine Bange, das Meer war noch wie gewohnt da und tagsüber stand auch die Sonne am Himmel ;-)).

Szenenwechsel ...

In der Systemik nennt man das Mitgehen mit den Umständen des Lebens das Vertrauen auf das Prinzip der Selbstorganisation. Alltagssprachlich vielleicht so etwas wie das bewusste Hingeben, an das, was ist ...
Und: Damit ist nicht gemeint, alles nur so einfach hinzunehmen... beileibe nicht.
Eher ein gestaltendes Mitgehen – in unserem Fall: Schauen, wie ist denn die neue Unterkunft, ist ein Wechsel notwendig? Sich fragen: Welches Restaurant hat denn offen und zu erleben, auch da schmeckt es toll, einen anderen interessanten Herrenfriseur finden, der mit Hingabe Haare schneidet. Zu merken, das neue Motorrad ist viel komfortabler und beim Massageteam herauszufinden, wo es jetzt arbeitet. Keine graue Theorie – sondern handfestes pragmatisches Handeln.

Eine ähnliche Situation hatte ich vor kurzem beim Aikidotraining erlebt. Ein wenig müde traf ich auf einen Partner, der bei einer einfachen Technik (für Insider: Kote Gaeshi) mich rückwärts warf. Unpräsent wie ich war, ging ich nur unzureichend auf seinen Impuls ein. In der Folge war mein Fallen ein wenig holperig und die Landung sogar ein bißchen schmerzhaft. Genervt wollte ich zunächst auf meinen Partner schimpfen. Im Sinne von: Warum wirft er mich auch, muss ja nicht sein usw... Dann bemerkte ich aber auch meinen Unwillen, wirklich ganz in der Begegnung anwesend zu sein. Die Form, den Kontakt ganz auszufüllen. Als ich versuchte, meine Präsenz, meine Aufmerksamkeit zu erhöhen, war das nächste Fallen wirklich viel sanfter... machte sogar ein wenig Freude.

Als Denkanstoß: Wenn das nächste Mal etwas nicht so klappt, wie Sie es sich vorgestellt haben, was passiert, wenn Sie sich, statt sich zurückzuziehen und zu schimpfen oder was auch immer, ganz hineingeben und erleben, was das große Leben für Sie als kleines Leben gerade Gutes tut... oder beabsichtigt?
Mir hilft manchmal die Frage: Was will das Leben gerade jetzt von mir? Welchen Aufforderungscharakter hat die Situation, in der ich mich befinde? Die bestmöglichste Antwort finden, zu der man dann in der Lage ist (mein Alltagsmantra dazu: So gut es halt geht) - das ist die Kunst! Oder wie jemand mal deutlich einmal ausdrückte: Schuldzuweisungen sind die Rechtfertigungen der Hilflosen. Last but not least: Nichts gegen Hilflosigkeit, sie hat ihre eigene Schönheit – aber sie kann auch Ausrede dafür sein, das Notwendige einfach nicht zu tun.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie das Eine vom anderen unterscheiden können und wenn es passt, entschieden und kraftvoll handeln.

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