Defizitorientierung vs. Potenzialentfaltung

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Im Blickpunkt: Coaching im Spannungsbogen Defizitorientierung versus evolutionäre Potenzialentfaltung

von Jürgen Weist

Um was geht es heute genau bei dem etwas hochgestochenen Titel? Es geht für das Conzendo-Team um eine Kern- oder Grundfrage des eigenen Selbstverständnisses – und letztlich auch um das tragende Weltmodell des Integralen Coachings schlechthin. Sozusagen um die Haltung dahinter … Aber was ist damit gemeint?

Wenn Menschen ins Coaching kommen, meinen sie oft, etwas sei mit ihnen nicht in Ordnung und angelehnt an therapeutischen Erfahrungen meinen sie sogar, sie selbst seien nicht okay, ja vielleicht sogar falsch. „Ich bin doch nicht bescheuert“ und manch anderes fällt als Begriff.

Nun ist Coaching ja eindeutig nicht Therapie, aber diese Orientierung auf „da ist etwas nicht Ordnung, etwas mit mir falsch“ usw. fällt auf. Eine defizitäre Mangel-Beschreibung ist eher der Normalfall. Das Thema „Schuld“ schwingt oft mit … Unsere Meinung: Diese Wirklichkeitsbeschreibung hat oft keine gute Wirkung. Unser Weltbild dazu ist ein anderes.

Wenn Menschen auf die Welt kommen, bringen wir alle (genetisch) eine unvorstellbare Menge an Möglichkeiten mit auf oder in die Welt. Durch das Hineinwachsen in die soziale Umgebung und soziale Systeme wird allerdings nur ein kleiner Teil davon aktiviert, vieles bleibt an Potenzial unentdeckt, anderes wird sogar unterdrückt. So entsteht im Laufe der Zeit eine Charakterstruktur (Charakter bedeutet das Geprägte), die nur noch einen kleinen Teil dessen, was uns möglich gewesen wäre, zum Ausdruck bringt.
Ja, und dann passiert es …

Potenzialskizze

Mit diesem Teil an aktiviertem Potenzial, der Charakterstruktur, versuchen wir verständlicherweise, so gut wir können, unseren Alltag hinzubekommen. Dazu kommt mir Darwin mit seiner natürlichen evolutionären Auslese (Evolution) in den Sinn. Er sprach vom: „Survival of the fittest“, was im Deutschen oft fälschlicherweise mit „der Stärkste setzt sich durch“ übersetzt wird … es geht eher um (An)Passung …
Da sind wir also mit unserer Charakterstruktur unterwegs, bekommen auch das Meiste tagtäglich so „la la“ hin und dann … Umweltbedingungen ändern sich (andauernd) … und wir merken, eigentlich müsste ich mich anpassen und (ver)ändern.
Anders gesagt: Wenn sich die Welt im Außen ändert, dann kann man das auch als Aufforderung begreifen, das eigene Potenzial entsprechend zu aktivieren. Die Chilenischen Biologen Maturana und Varela nennen dies eine (neue) strukturelle Kopplung.

Diese Diskrepanz zwischen den aktuell herrschenden Umweltbedingungen und der eigenen Charakterstrukur ist das, was Menschen als leidvoll (als Problem) erfahren könnten. Ich benutze bewusst den Konjunktiv „könnten“ … denn genau diese Differenz könnte man – genauso gut - als Aufforderung deuten, sich neu (an)zupassen, eigenes Potenzial zu entwickeln. Das Potenzial ist da … immer da … aber es will, wie im Märchen, „wachgeküsst“ werden.
Natürlich gelingt das nicht immer …und schon gar nicht automatisch … es gibt u.a. die menschliche Tendenz, an Vorhandenem festzuhalten. Etwas zu erhalten, kostet einfach weniger Energie. Aber dazu gleich ein dickes Aber: Wenn beispielsweise im Tierreich eine Spezies sich nicht an veränderte Umweltbedingungen anpassen will (oder kann) – dann nennt man das, was dann passiert, natürliche Auslese … anders gesagt: Die Spezies ist über kurz oder lang „weg vom Fenster“. Andersherum wird vielleicht auch deutlich, dass diese Herausforderungen von Potenzial (die Umwelt fordert inneres Potenzial heraus) viel mit dem Thema Erfolg zu tun hat.

Das abschließende Fazit: Die Idee, dass eine im Fluss befindliche Umwelt uns – nach Phasen scheinbarer Stabilität oder Balance - mehr oder weniger oft auffordert, uns ihr anzupassen, ist nicht neu. Aber Integrales Coaching kann enorm wirkungsvoll sein, wenn es darum geht, das eigene Potenzial intelligent zu entfalten und so Selbstbehauptung (Überleben) und Evolution (Selbstaktualisierung) in hochwirksame Übereinstimmung zu bringen.
Und … es macht einen grundlegenden Unterschied, ob Menschen dabei als „fehlerhaft“ beschrieben werden oder ob es systemisch darum geht, die Interaktion zwischen Mensch und Umwelt durch Potenzialentwicklung wesentlich zu verbessern, zu erleichtern usw.

Da ist nichts was fehlt – aber es könnte ja sein, dass da noch etwas (in Ihnen) werden will …  

Wenn diese Art von Entwicklung, diese Haltung Sie anspricht … ja, dann lernen Sie uns kennen … es könnte sich lohnen!  Ich freue mich schon jetzt auf Ihre Ansichten, ergänzenden Hinweise und ggf. auch Widersprüche. Schreiben Sie mir einfach eine Mail.

Ihr
Jürgen Weist