Unnormale Lebendigkeit oder normale Depression?

 

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Im Blickpunkt: Unnormale Lebendigkeit oder normale Depression?
(Oder: Die Wirkung einer Großstadt auf´s Gemüt)

von Jürgen Weist

Vor einigen Wochen war ich zusammen mit meiner Partnerin in einer süddeutschen Großstadt unterwegs. Wie immer, wenn ich auf Reisen bin, achte ich auf Menschen in ihrer Umgebung.
Das Großstadtbild, das wir erlebten, war geprägt durch ein hohes Maß an Geschäftigkeit. Worte wie Ungeduld, Tempo, Zielstrebigkeit, Eile, verbissen und angestrengt sein, kamen mir in den Sinn. Stress lag in der Luft. Die psychologisch Erfahrenen unter Ihnen werden vielleicht sagen: „ Ja, lieber Herr Weist, das war Ihre Projektion auf die Einwohner dieser Stadt." „Ja, stimmt", würde ich dann antworten, aber das ist eben auch nicht die ganze Wahrheit... man kann eben nur erkennen, was man bereits kennt. Oder?

Normale Depression (ein Begriff von Wolf Büntig) entsteht, wenn sich Menschsein überwiegend auf´s Funktionale konzentriert und sich immer dann mehr darin verliert. Es entstehen dann Formen, wo zwar alles in ziemlicher Ordnung ist, alles bestens funktioniert, aber es (das Leben) sich eben manchmal auch schal, trocken und ziemlich unlebendig anfühlt. Man hat dann alles oder viel ... sein Haus, seine Yacht, sein ? und ist trotzdem oder gerade deswegen unglücklich ... und immer mehr auf der sehnsüchtigen Suche nach neuen Reizen, dem ultimativen Kick, dem „Noch-Besseren".

Kennen Sie das? Natürlich nicht von sich selbst, aber von anderen Menschen? Wer fällt Ihnen zu meinen Großstadt-Zeilen ein? Was beschreibe ich da? Was passiert da (mit Menschen)?

Im Gespräch mit meiner Partnerin hörte ich mich vereinfachend sagen: Ja, wenn man sich immer mehr auf´s Funktionale im Leben ausrichtet, dann ist die logische Folge, dass man weichere Persönlichkeitsanteile aus dem Fokus aussortiert, verdrängt, ja sogar verliert. Was dann übrig bleibt, ist zwar hart im Nehmen, kriegt ´ne Menge hin, ist funktional hoch getaktet, aber auf gewisse Weise ist dann auf Dauer immer weniger „von einem" da oder im Vordergrund des Alltags erkennbar. Auf gewisse Weise verschwinden Menschen so teilweise oder Menschsein in seiner vollen Güte geht verloren.
Lassen Sie sich das mal auf der Zunge zergehen. Etwas überspitzt könnte man sagen: Wir verblassen, sind nicht mehr ganz da, nicht mehr ganz am Leben ...

Die Folge: Die feinen Töne des Lebens gehen unter ...weichere Lebensaspekte wie Genuss, ein Gespür für das, was es braucht, Kontakt im weiteren Sinne, Spontaneität, Lebensfreude usw. gehen „flöten" oder „baden" ... Können Sie sich noch erinnern? Wie waren Sie manchmal als Kind oder was von Ihren damaligen Möglichkeiten hätten Sie gern auch heute noch manchmal zur Verfügung? Wie heißt es doch so passend: Um ins Paradies zu kommen, müsst ihr werden wie die Kinder, soll Jesus gesagt haben ...ach übrigens, von kindisch werden hat er nichts gesagt.

Wofür möchte ich heute ein leidenschaftliches Plädoyer halten? Für Lebendigkeit ... im ganzen Leben, am Arbeitsplatz, wo es vielleicht Ihre Kreativität, Ihre Spontaneität braucht, in Ihrer Partnerschaft, wo es heute Zärtlichkeit und möglicherweise Rücksichtnahme braucht. Als Eltern, wo es leidenschaftliche Ermutigung braucht ... wo auch immer Sie gerade sind. Sie werden ganz, mit allen Ihren Möglichkeiten, Ihrem ganzen Potenzial gebraucht, oder?

Ich habe heute, als ich diesen Beitrag geschrieben habe, eine knappe Minute auf der Straße zur Musik von einem Straßenorchester getanzt. Habe Tränen in den Augen gehabt, als ein anderer Musikant für mich ein Lied gespielt hat...
Nichts Besonderes, höre ich manche sagen; für mich schon ...;-)).

Um diese Lebendigkeit, diese Stück für Stück Rückkehr oder besser Heimkehr zu sich selbst, (manchmal Millimeter für Millimeter) geht es mir und uns im Integralen Coaching und dem, was wir sonst noch tun bei Conzendo. Was uns am Herzen liegt: Menschen wieder tiefer mit sich in Kontakt zu bringen und sie zu sich selbst zu ermutigen. Ihnen dabei zu helfen, möglichst viel von ihren Möglichkeiten auszuschöpfen und sich darin selbst neu zu entdecken. Mehr Menschen dazu anzuregen, im Gespür zur Umwelt Lebensqualität kreieren zu können, egal wo, mit wem und wie genau.

Worum es geht? Mit einem Wort: LEBEN!

Liegen da noch Träume in Ihnen wach? Leben Sie so, so wie Sie gerne möchten? Geht das überhaupt? Ich habe darauf keine endgültige Antwort. Aber ... das wäre meine Frage: Was hält Sie davon ab, heute einen (machbaren) Schritt in diese Richtung zu gehen? Conzendo mit seinen Angeboten ist da sicher nur eine von vielen guten Möglichkeiten. Aber eben vielleicht eine, die Sie da, wo Sie heute stehen, abholt ... Sie anspricht.
Vielleicht mit dem Gefühl, das durch diese Zeilen in Ihnen wachgerufen wurde?

Dann, ja genau dann würde mein eingangs geschildertes Großstadt-Erleben durch Ihr Gefühl beim Lesen einen tieferen Sinn erhalten, nicht wahr? Ich freue mich schon jetzt auf Ihre Meinungen und ergänzenden Hinweise und ggf. auch Widersprüche. Schreiben mir einfach eine Mail. Wenn es mir möglich ist, antworte ich auf Ihre Nachricht. Vielen Dank.

Ihr
Jürgen Weist