Lebendigkeit ist gelebter Sinn

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Im Blickpunkt: Lebendigkeit ist gelebter Sinn

von Jürgen Weist

Die Idee zu diesem Beitrag ist entstanden, als ich an einem ziemlich grauen Februar morgens aufwachte und mir die Frage stellte: Warum soll ich eigentlich aufstehen, ist doch sowieso immer das Gleiche ...? Nicht nur der Morgen war grau, meine Gestimmtheit hatte eine ganz ähnliche Farbe. Daraus entstand die Frage: Was macht das Leben bunt? Bringt Farbe ins Spiel? Wie entsteht freud- und lustvolle Lebendigkeit?

Die meisten Menschen machen das über Formen, die sie erregen: Das neue Auto, die noch exotischere Reise, ein sexuelles Abenteuer usw. Das Neue reizt ... zumindest eine Zeit lang. Eine Zeit lang prickelt und funkelt es. Ein bisschen wie beim Verliebtsein. Wenn wir dann die Form wieder und wieder wiederholen, eine längere Weile nutzen, fängt es an, langweilig zu werden. Das gestern noch Aufregende verliert seinen Glanz, wird allmählich stumpf und grau.
Die Folge? Wir beginnen erneut nach Reizvollem Ausschau zu halten ...

Meine Frage: Muss das so sein? Was passiert da?

Überspitzt gesagt, erlebe ich das manchmal so, als würden wir die Seele von etwas (dem Reiseland, einem anderen Menschen, einer Sache usw.) auskosten, ja ein Stück weit konsumieren und dann, wenn das Gefühl dazu nachlässt, dann lassen wir dasjenige links liegen. Auf der ständigen Suche nach dem nächsten Kick. Geht das auch anders? Ich glaube ja. Am Anfang einer Beziehung, wenn uns jemand oder etwas interessiert, dann öffnen wir uns. Gefühl fließt, aus Interesse wird Begeisterung, vielleicht sogar Leidenschaft. Die Öffnung wird größer und wir beginnen zu lieben. Mit Liebe meine ich, da fließt maximal Gefühl/ Energie in uns. Wir fühlen uns lebendig, erleben die Welt als wunderbar. Die Welt ist jedoch gleichgeblieben, was sich verändert hat, ist der Energiefluss in uns.
Doch den meisten gelingt es nicht, die Öffnung auf Dauer zu bewahren. Ist ja auch anstrengend. Ja, ehrlich. Früher oder später schließt sich etwas, der Energiefluss geht zurück. Jetzt wäre das dran, was David Steindl-Rast nennt: Liebe ist eine Entscheidung. Ich kann mich entscheiden, mich wieder weiter zu öffnen. Sofort kommt auch wieder mehr Gefühl, ja auch Sinnerleben auf.
Das Problem: Jedenfalls bei mir... die Entscheidung trägt nur eine gewisse Zeit lang. Dann darf ich mich erneut entscheiden.
Vielleicht ist es ja auch eher so, dass, wenn wir uns interessieren, begeistern, lieben, dass dies unterschiedliche Stufen von Kontakt und Energiefluss sind, die wiederum auf die Seele dessen wirken, worauf wir unsere Energie richten?

juergen w vortragWenn das so oder so ähnlich wäre, dann könnte dies zu einem Wechsel vom Was zum Wie führen. Oder kommunikativ gesagt: Einen Wechsel vom Inhalt zur Beziehung. Wir könnten Lebensgefühl, Sinn und Erfüllung dadurch erzeugen, dass wir uns immer wieder neu öffnen. Uns immer wieder neu entscheiden, unsere Energie fließen zu lassen. Dann bräuchten wir nicht ständig neuen Formen nachzujagen. Das wäre dann eine höchstpragmatische und sinnvolle Art zu l(i)eben.

So, ob Sie meine These nun für esoterisches Zeug halten oder was auch immer. Glauben Sie mir kein Wort, aber lehnen Sie nichts ab, ohne es auf seine mögliche Wirkung überprüft zu haben. Es könnte sein, dass Sie erfahren, dass durch die Art wie Sie sich für etwas oder jemanden öffnen, Ihr Erleben von Sinn und Erfüllung intensiv beeinflusst wird.

Ich freue mich schon jetzt auf Ihre Meinungen und ergänzenden Hinweise und ggf. auch Widersprüche. Schreiben Sie mir einfach eine Mail. Wenn es mir möglich ist, antworte ich auf Ihre Nachricht. Vielen Dank.

Ihr
Jürgen Weist