Die Enge der Kompetenzzone …

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Im Blickpunkt: Die Enge der Kompetenzzone ...

von Jürgen Weist

In Asien angekommen ...noch Jetlag-Nachwirkungen ... zu spät aufgestanden. Der Tagesplan, noch nicht begonnen, brach als Theorie in sich zusammen. Wie geht die Geschichte weiter ...?
Jeder Versuch in einen wie immer gearteten Ablauf zu kommen, wurde vom Leben zärtlich aber vehement unterlaufen. Nichts klappte, das gewohnte Frühstücksrestaurant war geschlossen und auch das Ausweichquartier ... hatte... zu.
Inneres Grummeln machte sich breit ...

Erste Ruhe kam dann in der Thaiküche auf, die wir dann völlig ungeplant betraten. Über der Nudelsuppe sinnierte ich dann augenzwinkernd darüber, wie sehr ich (und ein paar andere Menschen) an ihren Vorstellungen festhalten. Trotz allen Wissens und in langen Jahren erworbenen Fähigkeiten. Ja, meine Kompetenzzone ist vielleicht ein wenig bunter, größer oder was weiß ich – verglichen mit dem Durchschnitt. Aber Kompetenzzone bleibt Kompetenzzone. Und Festhalten bleibt Festhalten. Warum ist das eigentlich so? Ein wenig wacher, mit der Situation ein wenig mehr in Frieden, sinnierte ich mit meiner Partnerin über das wozu ...
Wir kamen überein, dass neben anderen Dingen (Un)Sicherheit die zentrale Rolle spielt. Jedenfalls für uns. Das Gefühl sich in einer unvorhersehbaren, völlig unkontrollierten Situation zu befinden. Sich da hineinzugeben, ohne zu wissen, was entsteht. Was wird passieren? Hier in Asien, wo mich kaum jemand jenseits der Touristenzone versteht, wo andere Werte herrschen, wo ich nicht oder nur wenig einschätzen kann, was wie sein wird, weil ich Situationen, Menschen usw. so gut wie nicht kenne.

Also, das Gute an der sich dauerhaft wiederholenden Geschichte: Die meisten der betreffenden Situationen gingen supergut aus, manche sogar mit einem unvorstellbar erfreulichen Ausgang. Ein paar waren irritierend ... aber was soll´s – da haben wir gelernt. Zum Beispiel wie wichtig es sein kann, das eigene Sicherheitsbedürfnis (an)zuerkennen und damit zunehmend spielerisch umzugehen. Das schafft ... Spielräume, Flexibilität und Lebensgenuss. Gepaart mit dem Gefühl: Neue aufregende Sachen spenden uns auch Energie.

Ja, umotorrollernd die Moral von der Geschicht´: Wir dachten auf dem Markt in Khuk Khak Beach nach wie schwierig, ja herausfordernd es zuhause in Deutschland sein muss, die eigene Kompetenzzone zu erkennen, geschweige denn zu überschreiten.
Hier in Asien ist das viel einfacher. Einfach, weil man so viel nicht kennt. Nichtwissen, keine Ahnung haben, kaum Einschätzen können, alles so viel einfacher. Zuhause da gibt es doch meistens Plan A, dann Plan B und meistens auch C, oder? Kaum Lücken, wo aufregendes, pulsierendes Leben uns aus der Bahn wirft und uns umfließt.
Todsicher, ist das Wort, das mir in den Sinn kommt. Stressfrei, aber todsicher. Wobei stressfrei stimmt ja auch nicht, während wir in Europa in festgezurrten, sicheren Bahnen leben, ist unser Alltag ja auch für viele Menschen ziemlich stressig.
Ja, was will ich eigentlich sagen? Irgendwie etwas über Unsicherheit, Kompetenzzonen, Vorstellungen, nach denen wir leben, Lebendigkeit und etwas „über das hinaus“. Ich bin sicher, Sie machen sich Ihren ganz persönlichen Reim auf meine kleine Geschichte.
Das Unsichere in mir grüßt das Unsichere in Ihnen und freut sich, dass es nicht so ganz allein ist...;-)). Was mich daran erinnert, Sie daran zu erinnern, viel entspannter mit diesen unwillkommenen Dingen umzugehen, wie hilflos sein, keine Ahnung haben, inkompetent sein. Aber was weiß ich schon. Ich sitze hier gerade am Rechner und habe sowieso keine Ahnung.

Ich freue mich schon jetzt auf Ihre Meinungen und ergänzenden Hinweise und ggf. auch Widersprüche. Schreiben Sie mir einfach eine Mail. Wenn es mir möglich ist, antworte ich auf Ihre Nachricht. Vielen Dank.

Ihr
Jürgen Weist