Lebendiger werden …

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Im Blickpunkt: Lebendiger werden ...

von Jürgen Weist

Wenn Menschen zu Conzendo in Seminare und Ausbildungen kommen, so ist unsere Sinn-Idee, dass wir unsere TeilnehmerInnen unterstützen, ihre Lebendigkeit wieder oder wieder mehr zu entfalten. Was meinen wir damit?

Natürlich sind unsere Klienten und Teilnehmer keine Leichen oder Untoten. Und jetzt kommt das „Aber“... denn ...wir alle unterliegen folgenden Einflüssen:

  • Gewohnheiten, in den wir uns über die Jahre eingerichtet haben und an denen wir festhalten,
  • psychologische Baustellen oder wir nennen es „Dellen im Sein“, die durch Prägung, Sozialisierung und Überlastung im Alltag entstanden sind,
  • Sachen, die wir vermeiden oder wo wir eher ausweichen (wo wir also ängstlich sind),
  • Potentiale oder Talente, die noch nie aktiviert wurden,
  • Überzeugungen, Werte und Kriterien, an denen wir uns orientieren ... und vieles andere mehr.

Prüfen Sie selbst und kritisch, ob das nicht auch auf Menschen zutrifft, die Sie kennen? In der Summe entsteht ein Effekt, den der Begründer der Psychosomatik Viktor von Weizsäcker „Normopathie“ nannte. Etwas flapsig gesagt, entsteht eine Persönlichkeit, die gelernt hat, im weitesten Sinne normal zu sein. Sie zeigt Verhalten, das in unserer Gesellschaft passt. Der Preis? Um normal zu sein, müssen die meisten von uns eine Menge von sich zurückhalten. Eigene Impulse, Gefühle und Bedürfnisse werden unterdrückt. Das macht man meist mit Muskelkraft und das ist letztlich nichts anders, als das man mit Lebenskraft Lebendigkeit, die fließen will, unter- bzw. wegdrückt.

So staut sich was auf ... und wenn das über Jahre, Jahrzehnte gemacht wird, dann kann es sein, dass da was fest wird. Das sieht man den Menschen an. Wo immer Sie heute noch sein werden, schauen Sie sich bitte um. Mal ehrlich? Wie wirkt die Masse an Mensch auf Sie? Glücklich, freudig? Leuchten die Augen? Drücken die Körper Lebendigkeit aus? Fließt da was?

Meine Beobachtungen im Urlaub, öffentlichen Verkehrsmitteln und auch sonstwo sind da eher ernüchternd. Pi mal Daumen würde ich schätzen, dass 80% eher mit ausdruckslosen, grauen Gesichtern rumlaufen. Wie in der Kindergeschichte Momo von Michael Ende. Unbedingt mal wieder zur Sensibilisierung anschauen ... (es ist beileibe keine Geschichte nur für Kinder und es gibt den ganzen Film auf youtube.)

Was aber auch stimmt: Das, was ich beschreibe, ist zutiefst menschlich und passiert uns allen mehr oder weniger. So soll mein Beitrag oder unser heutiger Newsletter Sie „wachrütteln“, aufmerksam machen für das, was in Ihnen schlummert. Für das, was in Ihnen fließen möchte. Was bunte Flecken in die Einfarbigkeit Ihres Alltags bringen könnte. Auch wenn Menschen immer schnell und gern die „Wie-mache-ich-das-Frage“ stellen, spare mir die konkreten Tipps dazu. Warum? Weil ich ganz sicher bin, dass Sie selbst am besten wissen, was Sie bewegt, berührt oder inspiriert. Weil nur Sie wissen können, was Sie lieben.
Mir geht es heute darum, dass Sie sich des subtilen Grauschleiers der Normopathie bewusst werden. Er kommt auf leisen Alltagssohlen. Millimeter für Millimeter, über weite Strecken unbemerkt. Bleiben Sie wach(sam) für das Leben in Ihnen. Es ist das Kostbarste, das wir „haben“. Hüten Sie es!

Ich freue mich schon jetzt auf Ihre Meinungen und ergänzenden Hinweise und ggf. auch Widersprüche. Schreiben Sie mir einfach eine Mail. Wenn es mir möglich ist, antworte ich auf Ihre Nachricht. Vielen Dank.

Ihr
Jürgen Weist