Verantwortung – ein (un)geliebtes Thema?

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Im Blickpunkt: Verantwortung – ein (un)geliebtes Thema?

von Jürgen Weist

Ich habe nicht gegoogelt, sondern einmal für mich versucht zu definieren, was ist eigentlich Verantwortung? Was verstehe ich eigentlich darunter?

Abstrakt gesehen bedeutet Verantwortung für mich, dass ich für eine Funktion oder einen Zustand von jemanden oder etwas einstehe. Etwas (vorher) Bestimmtes sicherstelle oder aufrechterhalte. Dafür darf ich die notwendige Zeit, Spannung, Kraft oder Energie mobilisieren und bereithalten. Ich bin bereit, auf Einflüsse und Veränderungen zu reagieren, sprich meine Wahrnehmung ist meist auf den Erhalt oder das Entstehen von etwas ausgerichtet. Das bindet (zeitlich/ örtlich) meine Wahrnehmung und Lebenskraft. Ganz platt bedeutet es aber auch, ich stehe für das Ergebnis ein, ich habe die Kompetenz dafür und ich habe und kann Einfluss nehmen.

Verantwortlich sein heißt meist auch, ich verpflichte bzw. binde und beziehe mich, an etwas Bestimmtes oder in Bezug auf jemanden Bestimmtes. Das wäre der unfreie Teil. Aber in der Art, wie ich meine Verantwortung ausfülle, bin ich idealerweise frei oder habe Spielräume.
dominoeffektDas wäre der Teil „Antwort“ in der „Ver-Antwort-ung“. In der Art, wie ich meine Aufgabe ausfülle, kann ich meine Weise ausdrücken. Bin ich sowohl in der Verantwortung und auch in der Art und Weise, wie ich sie ausfülle, gebunden, dann wird es im Sinne des Wortes „eng“. Meine Empfehlung: Achten Sie nicht nur darauf, für wen oder was Sie Verantwortung übernehmen, sondern auch darauf, dass Sie Ihre Verantwortung möglichst so ausfüllen können, wie es für Sie passt. Vielleicht weniger im Ergebnis, als denn in der Art und Weise, wie Sie die Verantwortung ausfüllen und zum jeweiligen Ergebnis kommen.

Übernehme ich zu viel Verantwortung, erlebe ich es möglicherweise als Belastung oder Überforderung, übernehme ich zu wenig, dann lerne ich vielleicht nicht, meine Energie für etwas oder jemanden zu mobilisieren. In jedem Fall hat das Thema Verantwortung eine hohe Auswirkung auf meine Beziehungsfähigkeit. Vereinfacht: Das Übernehmen von Verantwortung für etwas oder jemanden ist eine spezielle Form der Beziehung. Egal, ob als Mutter, Chef oder Gartenhausbesitzerin.
Deshalb spricht Alltagssprache auch von dem Gefühl der Verantwortung.

Umgekehrt funktioniert es auch. Manche Rollen oder/ und Beziehungen schaffen (hierarchische) Verantwortlichkeiten. Zu manchen braucht es eine bewusste Übernahme, in anderen entsteht die Verantwortung indirekt. Beispiele dafür: Eltern sind (zeitweise) verantwortlich für ihre Kinder, (Ehe)Partner füreinander, ein Geschäftsführer für sein Business und ein Handwerker oder Arzt für sein Tun. In manchen Situationen ist die Verantwortung z.B. zeitlich/ räumlich/ inhaltlich begrenzt. Der Taxifahrer bringt mich nur ans Ziel, der Koch bereitet das Essen zu und der Fährmann bringt mich ans andere Ufer.

Wo Menschen in Beziehung stehen (und wo tun sie es nicht?) entstehen Verantwortlichkeiten. Verpflichtend zugeordnet, eingegangen oder freiwillig. Unser Alltag ist (über)voll davon. Nicht alles ist uns ständig bewusst.
Zum heutigen Abschluss ein paar anregende Fragen:

  • Was sind Ihre Grundgedanken, Ihre Muster und Gefühle zum Thema Verantwortung?
  • Wofür tragen Sie Verantwortung?
  • Wer für Sie oder mit Ihnen für etwas oder jemanden?
  • Wie erleben Sie das Thema im gesellschaftlichen Zusammenhang?
  • Wie würden Sie den Zeitgeist zum Thema Verantwortung beschreiben?
  • Welche Impulse kommen Ihnen, wenn Sie über das Thema nachdenken?

Herzlichst
Ihr
Jürgen Weist