Das Glücksparadox …

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Im Blickpunkt: Das Glücksparadox …

von Jürgen Weist

Kinder können es (meist) noch! Sie werden in eine Welt hineingeboren, die voller Wunder, aufregender und reizvoller Dinge ist. Neugierig … also gierig auf´s Neue untersuchen Kinder, probieren aus, „scheitern“ und doch ist da dieser fast unstillbare Durst etwas zu begreifen, die Welt zu erobern. Am Rande bemerkt:

Das Begreifen der Kinder ist am Anfang tatsächlich meist ein körperlicher multisensorischer (vielsinniger) Vorgang. Und … dann? Kommt irgendwann ein kluger Erwachsener und erklärt theoretisch, was es ist und wie man es (auf die richtige Weise) benutzt. In diesem Moment stirbt jedes Mal ein wenig Faszination … und die Magie der eigenen Neugier.

kleeblatt30-40 Jahre später kommt dann diese Person in ein Seminar. Oft getrieben von einer Art Suche … oder Sehnsucht. Wir würden - etwas vereinfacht - sagen, nach sich selbst. Nach einem ganzheitlichen Kontakt zur Welt, nach all` dem Gefühl, welches wir schon mal hatten und das wir nun wieder suchen. Von außen sieht es manchmal so aus, dass wir uns bewusst auf die Suche nach einem Schatz gemacht haben, den wir unbewusst schon einmal hatten. Für alle Rationalisten: Natürlich haben wir den nie verloren, aber was wir nicht fühlen können, scheint auch nicht wirklich wirklich zu sein, oder? Rationales Wissen ist da wie ein Gerippe ohne Fleisch oder reicht etwa das mentale Wissen, „verliebt“ zu sein?

So, das war bis hierher eigentlich nur die Einleitung, eine Art Vorspiel. Da wir in einem der reichsten Länder der Welt leben, möchten wir heute Ihr Augenmerk auf eine ganz besondere Armut richten. Wir meinen festzustellen, dass Menschen enorm viel Geld, Zeit und was auch immer investieren, um nach für sie Reizvollem zu suchen.
Der alte Fromm mit seinem „Haben oder Sein“ lässt an dieser Stelle herzlich grüßen. Jede Art von (Massen)Events, Reisen, Besitztümer und auch Beziehungen werden quasi konsumiert, um sich für eine kurze Zeit, gut zu fühlen oder gute Gefühle zu erleben. Natürlich ist das nicht immer nur so, aber sind es nicht die Ausnahmen, die die Regel bestätigen? Ich kenne es von mir selbst nur zu gut. Und ich weiß auch, dass diese Dynamik durchaus Suchtcharakter haben kann. Oder anders gesagt, wie langweilig ist noch einmal das Event von letzter Woche und die gleiche Reise wie letztes Jahr.

Ach so, zurück zu den Seminaren: Hier ist die Erfahrung, dass diese Leute erst einmal genau wissen wollen, worum es geht und gleichzeitig oft reißaus nehmen, wenn es praktisch wird. Selbsterfahrung nennt man das - weil man sich ja selbst erfährt. Verständlich, sind es doch jetzt auch „Gewachsene“ (wie meine Tochter so schön sagte, als sie klein war).

Was möchte ich denn nun auf die Spitze treiben? Oder anders gesagt, was möchte ich auf den Punkt bringen?
Kaum ein Erwachsener ist noch oder grundsätzlich in der Lage, in seinem ganz normalen Alltag vollständig präsent da zu sein. Mit allen Sinnen offen, die Wunder (die es gibt) wahrzunehmen und zu bestaunen. Das wäre den meisten zu anstrengend, zu reizvoll und überfordernd. Schließlich muss man ja seinen Alltag aushalten und hinbekommen …
Stimmt, würde ich sagen, aber gleichzeitig ist das, was ich beschreibe, die zuverlässigste Quelle für Lebensqualität und Glück. Vielleicht sogar die Einzige…

Glauben Sie mir – wie immer – kein Wort. Probieren Sie es einfach aus …

Herzlichst
Ihr
Jürgen Weist