Wer fragt, berührt die Zukunft...

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Im Blickpunkt: Wer fragt, berührt die Zukunft...

von Jürgen Weist

Es sind wieder sieben Fragen geworden... Fragen, die bewegen …, die berühren und vielleicht sogar Schöpferisches hervorbringen. Fragen, die bereits vorhandene Antworten vielleicht bewusst ins Leben bringen …

nl jan 21 1

  1. Welche Spuren hat das Jahr 2020 in mir hinterlassen? Oder anders gefragt: Was waren die 2-5 Sachen, die mich dieses Jahr am meisten beeindruckt haben? Was hat mich genervt, beglückt oder welche Erfahrungen sind für mich immer noch überdeutlich präsent?
    Beispiel: Vieles um die Corona-Pandemie herum … was dadurch noch deutlicher geworden ist, wie die Medien damit umgegangen sind und wie ich Menschen in meinem unmittelbaren Bereich erlebt habe. Ein Todesfall in meiner Familie und die immer wiederkehrende Erfahrung, wie wichtig „Offenheit“ im Leben ist …
  2. Corona … als Botschafterin: Was ist Ihnen in bzw. durch die Corona-Umstände und Zeit deutlich(er) geworden? Was hinsichtlich Balance und Ausgleich? Was ist denn für Sie momentan im Ungleichgewicht? Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen? Welche Erwartungen sind entstanden? Jenseits von gut und schlecht, was waren konstruktive (und erkennbar destruktive) Impulse in dem vielschichtigen Strom von Erleben und Informationen?
    Beispiel: Die rapide Zunahme von Polaritäten (USA, Brexit) und auch in unserer Gesellschaft. Ich bin kritischer geworden. Besorge mir Informationen aus verschiedenen Quellen, stelle öfter die „Cui bono“-Frage (wer profitiert?). Immer öfter habe ich den Frieden damit, dass Menschen aus ihrer Verfassung heraus reagieren.
  3. Welchen Affekten möchte ich mehr Raum und Zeit geben? Das Bewusstsein in einem System kann man auch anhand der vorherrschenden Affekte (Emotionen) bestimmen. Wie sehr können Sie dafür Selbstsorge tragen, welche Grundaffekte Ihre Gestimmtheit (und damit Verfassung) und Ihr Leben einfärben.
    Beispiel: Wenn es mir nicht gut geht, dann sorge ich erst einmal für mich selbst, mache einen Spaziergang. Achte wie ein guter Gärtner auf das, was in meinem (Erlebnis)Garten Wurzeln schlägt und was wächst. Alles darf sein und darüber hinaus gewinne ich Einfluss darauf, was ich pflegen und kultivieren möchte. Ich übernehme mehr Verantwortung für meinen Zustand.
  4. Was bedeutet Ihnen wirklich etwas? Fragen Sie sich … in bestimmten Situationen, zu gewissen Anlässen: Was ist Ihnen etwas wert, wofür investieren Sie Zeit, Energie, Geld und Leben? Wofür treten Sie (nicht) ein? Was glauben Sie: Wofür lohnt sich Leben? … was macht Sinn? Wenn sich gerade eine neue Normalität anbahnt: Was wäre Ihnen dafür wichtig?
    Beispiel: Das Thema Menschlichkeit ist mir wichtig. Oder damit verbunden die Frage: Was brauchen Menschen wirklich? Welchen Bedarf haben sie an Körper, Geist und Seele tatsächlich? Mir wäre ein Wechsel vom Mangel zur Fülle wichtig (der Wechsel von Ab- zur Zuneigung).
  5. Wie ist mein Umgang mit Unerwünschtem? Gefühle, Gedanken, Stimmungen … vielleicht alles nur verschiedene Modalitäten meines Geistes. Lernen und Entwicklung findet an der Grenze zum Unbekannten statt. Ist mein Erleben nur von der Sucht nach Gewohntem geprägt oder gibt es auch mal Lust auf ungewohnte Kost? Kann ich mir (im übertragenen Sinne) auch „Lieferungen“ anschauen, von denen ich meine, sie nicht bestellt zu haben? Nichts ist nur gut oder schlecht. Indem ich das eine wahrhaftig (an)sehe, kann ich mich mehr für das andere öffnen. Unerwünschtes kann die Herausforderung sein, die mich zu neuen Ufern aufbrechen lässt.
    Beispiel: Ich habe vor kurzem z.B. ein erstes Mal Teile eines Seminares live gestreamt und mich davor mit Technik und Zubehör herumschlagen dürfen …😊.
  6. Wo und wie finde ich (anders) Sicherheit und Halt? Wie geht es Ihnen damit? Viele Menschen finden ihren Halt, ihre Sicherheit in äußeren Umständen… einem sicheren Arbeitsplatz, einer Partnerschaft, viel Geld auf dem Konto. Das ist nicht falsch. Gibt es jedoch überwiegend äußere Bezüge und geraten diese in Bewegung, so kann es schnell bedrohlich werden. Wie könnten Sie alternativ oder ergänzend auch Halt in sich selbst finden? Körperlich, geistig, seelisch.
    Beispiel: Ich habe mich vor kurzem mit dem Thema „Erdung“ beschäftigt. Da geht es letztlich auch darum, dass dieser (bewusstere) Kontakt zu „Wohlstand“ führt, mich gut dastehen lässt. Oder in den Kampkünsten spricht man vom „Hara“, einer Art Verfassung, die mich im Wortsinn „tiefes Vertrauen“ (emp)finden lässt …
  7. Gedankenexperiment: PreScening … Stellen Sie sich vor, die Zukunft meldet sich bei Ihnen. Was oder welchen Beitrag würde sich die Zukunft von Ihnen wünschen? Viktor Frankl ging davon aus, dass Sinn, Erfüllung, Zufriedenheit usw. u.a. das Ergebnis eigener schöpferischer Prozesse sind. Oder in der Systemik heißt es so treffend: Holt man mit dem Eimer Wasser aus dem Brunnen, so ist das Wasser keine Funktion des Eimers…“. Fragen Sie sich mal nicht (egozentrisch), was will ich von der Zukunft, sondern (evolutionär, weltzentrisch): Was will die Zukunft von mir? Eine solche Frage hat durchaus transzendierenden Charakter …
    Und jetzt die finale Anschlussfrage: Was immer Ihnen einfällt – was wäre Ihr konkreter Beitrag, Ihr erster Schritt und wie würde sich das auf Sie selbst, andere, Situationen, Ergebnisse, das Leben usw. auswirken?

Mit mancher Frage ist es wie mit Genuss, man darf ihn mit Muse auf sich wirken lassen.