Ist das Glas halb voll oder leer?
Eine uralte Frage, oder? Kann man schnell als „kenn´ ich doch“ abtun. Es ist quasi die Mutter der persönlichen Perspektive. Erlebe ich Umstände, Entwicklungen usw. als hilfreich oder unterstützend oder als verlustreich und schwächend? Und … wie bewusst entscheide ich das eigentlich oder erlebe ich mich da eher im Automatikmodus des Geworfenen?
Welche (alten) Erfahrungen und ggf. Kriterien lassen mich das so oder so bewerten?
Sind wir Menschen uns darüber halbwegs im Klaren? Ist mir jedenfalls manchmal ziemlich unklar…
Wenn ja, so meine Meinung, so würde uns dies in der jetzigen Phase sicher helfen. Ich könnte mehr innehalten, mir öfter die Situation auf der Zunge zergehen lassen, bis sich ein klarer und deutlich erkennbarer Geschmack zeigt und dann meine besten Karten vorteilhaft ausspielen…
Also, den Zeitraum zwischen Reiz und Reaktion nutzen, um den sinntiefsten Aufforderungscharakter zu schöpfen und ihm – so gut es geht – zu folgen..
Habe ich schon erwähnt, dass ich Leben nicht (generell) für einen bequemen Urlaubsaufenthalt halte? 😉
Aber eigentlich wollte ich noch die Idee der sogenannten „Heldenreise“ ausbreiten…
Schon vor zwanzig Jahren habe ich diesen Meta-Mythos (nach Joseph Campell) in Ausbildungen genutzt.
Dieser Entwicklungsbogen beschreibt menschliches Leben quasi als Drehbuch für die Reise einer Heldin oder Helden. Meist beginnt die Geschichte in der gewohnten Welt, die dann brüchig wird, Risse bekommt oder wie eine Eisscholle in der Sonne des Augenblicklichen schmilzt.
Dann, ja dann, scheint es menschlich zu sein, dass (die meisten) Menschen – solange wie möglich – die gewohnte Welt aufrecht erhalten möchten. Selbst wenn es sie mehr kostet, als sich auf den Weg in Richtung Veränderung zu machen. Wenn du dich an dieser Stelle vielleicht an aktuelle Entwicklungen erinnert fühlst, ja, dann werde ich dir nicht widersprechen.
Ich will jetzt gar nicht in die Tiefen der Heldenreise eintauchen. Manchmal ist ja weniger mehr… Allein, wenn du dies auf dem bewussten Zettel hast, für dich und deine Liebsten berücksichtigst, dass Menschen tendenziell (in unserer Kultur) bewahrend unterwegs sind, dann ist in der Tat viel gewonnen.
Also… ich möchte heute letztlich eine sensible Einladung aussprechen. Nämlich möglichst persönlich den Punkt der Angemessenheit zu finden und ihn zu berücksichtigen. Wann bleiben, wann gehen…?
Vielleicht kennst du die Aussage: „Wer suchet, der findet…“. Wann lasse ich Bisheriges los und fasse etwas Neues an?
Das uralte Thema: Goethe nannte es das „Stirb und Werde“. Tote Gäule zu reiten, macht nicht so viel Sinn (sorry für das Bild…). Wann macht das Absteigen Sinn?
Sich die Frage zu stellen:
- Woran erkenne ich das?
- Woran erkenne ich den für mich rechten oder angemessenen Zeitpunkt?
Ja, das kann auf der Heldenreise (Leben ist Bewegung, oder?) ausgesprochen hilfreich sein. Wie heißt es so kalenderspruchmäßig: „Es gibt auf dieser Reise kein Ankommen, kein Bleiben… der Weg ist das Ziel…“.😉
Danke für das Lesen meiner Worte. Ich empfehle dir ein entspanntes und fühliges „Nachklingen-lassen“…
Herzlichst
Dein
Jürgen Weist