Das Fenster zur Handlung

Ungewissheit und Handeln… sind, wenn man es ehrlich betrachtet, keine Feinde, sondern Tanzpartner. Aber die meisten von uns sind geneigt, den Tanz zu verweigern.

Sie wollen erst den Boden sehen, bevor sie einen Fuß heben.
Sie wollen erst das Ziel kennen, bevor sie loslaufen.

Das Problem: In einer ungewissen Welt gibt es diesen Boden nicht. Nicht mehr.
Oder anders: Wer erst dann handelt, wenn alles klar ist, wird nie handeln – weil der Moment der völligen Klarheit nie kommt, oder?

Die Neurobiologin und Unsicherheitsforscherin Maja Storch spricht vom „Fenster der Handlungsfähigkeit“:

Es öffnet sich genau in dem Moment, wo wir noch nicht alles wissen, aber genug spüren, um den nächsten Schritt zu wagen. Warten wir zu lange, schließt es sich – und wir bleiben erstarrt im Wunsch nach letztgültiger Gewissheit stehen.

Mein praxisnaher Impuls:
Handle aus der halben Helligkeit.

Was meine ich damit?
Ich meine damit, dass du nicht warten sollst, bis die Angst vor dem Falschmachen verschwindet. Das tut sie nie. Du wartest auch nicht auf das Gefühl von Sicherheit – das wäre wie auf Regen warten, während du in der Wüste stehst.

Stattdessen übst du etwas ganz Einfaches: Du fragst dich nicht mehr

„Weiß ich genug?“, sondern
„Kann ich mit dem, was ich jetzt habe, einen Schritt gehen?“

In der Praxis macht das einen entscheidenden Unterschied. Denn, wer auf Gewissheit wartet, sucht nach objektiven Beweisen.

Wer aus halber Helligkeit handelt, vertraut auf subjektive Stimmigkeit. Er sagt nicht: „Ich bin sicher.“ Er sagt: „Ich bin bereit.“ Und das reicht. Das ist kein Raten und kein Blindflug – es ist eine Einladung an dich selbst, deine Wahrnehmung ernst zu nehmen, auch wenn du sie noch nicht belegen kannst. Wie heißt es treffend: „Versuch macht klug…“.

Also als Fazit für die Praxis:
Warte nicht auf die volle Helligkeit. Die kommt oft erst, nachdem du den ersten Schritt getan hast. Und selbst dann bleibt sie flackernd. Das ist kein Mangel. Das ist das echte Leben. Die Frage ist nur:

Tanzt du mit der Ungewissheit – oder stehst du beleidigt am Rand des Raumes?

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