Bin ich es wert?

denkanstoss

Denkanstoß: Bin ich es wert?

von Jürgen Weist

Im Coaching, wenn das Thema Überzeugungen und Lebensregeln tiefer berührt wird, kommt es immer mal wieder zu Aussagen wie: Ich bin es nicht wert ... ich bin völlig wertlos ... usw. Auch wenn die Botschaft negativ scheint, wenn Menschen das auszudrücken beginnen, so sind dies in der Regel ganz berührende Momente ... und oft der Beginn von etwas gutem Neuen.

Wie entwickeln sich solche tiefgreifenden inneren Einschränkungen? Wahrscheinlich gibt es viele Möglichkeiten.

Ein Fokus, der für mich Sinn macht, ist die Idee, dass wir bereits zur Geburt (kurz davor oder danach) alle ambivalente Erfahrungen zum Thema „bekömmliches Drinsein" und „herauswachsendem Werden" sammeln und diese Erfahrungen eine Auswirkung darauf haben, ob wir auf einer tiefen emotionalen Ebene eher in Richtung Urvertrauen oder Urangst tendieren ...

Wo Urvertrauen erhalten bleibt, da entsteht natürliche Lust am Leben, Neugierde und Freude an der Aktivität ... und die Frage, ob das eigene Dasein erlaubt ist, stellt sich gar nicht ...Ambivalenzen werden gut ertragen...usw.

Wird Urangst erfahren, ist spätere Entwicklung oft auf Vergangenheitsbewältigung gerichtet, sprich, man versucht instinktiv die erlebte Urangst oder Urnot (in unterschiedlichsten Alltagsformen) zu bewältigen. So geprägt, werden Ambivalenz und ungutes Sein eher nur schlecht ertragen und meist nach außen rationalisiert, indem nach Ursachen und Schuldigen gesucht wird. Diese Grundprägung macht es ziemlich schwer ... einfach nur so zu sein. Man braucht ständig (fast suchtartig) Beweise und Anerkennung, erbringt extreme Leistungen, alles, um das Gefühl einer Existenzberechtigung zu entwickeln. Bleibt diese Bestätigung aus, so schmilzt der eigene Selbstwert wie Schnee in der Sonne dahin. Ich möchte die Behauptung aufstellen, dass ziemlich viele Menschen (wie ich) eher mit ihrer Angst ringen ...

Natürlich kann man an dieser Stelle fragen, warum ich? Aber ist das wirklich hilfreich? Und ... ich würde weiter „GROß" behaupten wollen, dass erst aus dem Verlust des Urvertrauens, die Art von (Such)Bewegung entstehen kann, die immer mehr Menschen die bewusste Erfahrung der Rückkehr ins Urvertrauen ermöglicht und es damit insgesamt stärkt!

Warum schreibe ich das? Nicht, um Ihnen ein „Warum" für die Themen in Ihrem Leben zu liefern. Wissen hilft da schlichtweg superwenig. Die Grundtendenz und vor allen Dingen ihre Auswirkungen im Alltag bleiben meist bestehen. Aber ... ein gefühltes Begreifen, das ist übrigens mehr als nur Denken, kann ein erster Schritt sein. Ein erster Schritt, um sich von der Einschränkung zu distanzieren ...mehr und mehr zu realisieren, das bin ich im Grunde gar nicht ... das macht mich nicht wirklich aus ... das ist nur gelernt (geprägt).
Und die gute Botschaft: Alles was gelernt ist ...kann man (jetzt die schlechte Botschaft: Zugegeben mit einigem Aufwand) auch umlernen ... ;-))). Und ... unter allen Prägungen, allen Lernerfahrungen, liegt die Erfahrung des „Grundguten".
Also nicht aufgeben ... bleiben Sie dran ...an und für sich!

Sie haben einen Impuls zu diesem Denkanstoß? Schreiben Sie uns einfach eine Nachricht. Danke.

Weitere Denkanstöße, Ideen und Anregungen finden Sie ab sofort regelmäßig immer donnerstags unter www.bemerkenswertes.de.