Etwas „richtig“ machen oder das Richtige machen ...?

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Im Blickpunkt: Etwas „richtig“ machen oder das Richtige machen ...?

von Jürgen Weist

Was halten Sie von der folgenden (durchaus doppeldeutigen) Aussage:

„Was von selbst geht – dem sollte man nicht nachhelfen …“?

Na klar, werden die meisten, die dies lesen, sagen, keine Frage, das ist doch logisch. Wirklich? Daran würde ich gern, wenn Sie erlauben, ein wenig „kratzen“… etwas Neues anbieten, vielleicht sogar ungewohnt in der Idee und ungewöhnlich in der Sensibilität, die damit verbunden ist.

Worum geht es ganz konkret? Was meine ich damit?

Ich beginne mit einem Quellenhinweis. Ich habe mich vor einiger Zeit mit dem Körperansatz der Elsa Gindler beschäftigt. Da geht bzw. ging es um ganzheitliche körperliche Wahrnehmung. Am nächsten kommt dem der Ansatz des propriozeptiven Körpertrainings. Die Arbeit Gindlers war grundlegend für viele später folgende Ansätze wie z.B. der Vegetotherapie, der Gestalttherapie, dem Sensory Awareness-Training nach Selvers und der Arbeit von Moshe Feldenkrais.

Aus der Arbeit von Elsa Gindler möchte ich mit Ihnen einen zentralen Aspekt teilen, der einen wesentlichen Unterschied im Alltag macht oder machen kann. Die Aussage dazu lautet:
Nicht das Was, sondern das Wie einer Bewegung entscheidet. Nach Gindler geht es eher darum, genau zu empfinden, was man macht, als darum, eine bestimmte Form zu befolgen. Korrekturen sind, so gesehen, völlig wertlos, ja sogar kontraproduktiv. Nochmal anders: Es geht darum, bis hin zu alltäglichen Bewegungen wie dem Zähneputzen, diese mit Präsenz zu durchfühlen, sich darauf zu konzentrieren … Das, so Elsa Gindler, sei völlig ausreichend … denn eine Bewegung, von bewusster Präsenz durchdrungen, entwickele in der entsprechenden Zeit ihre ganz natürliche Form. Wer einmal das Prinzip der Selbstorganisation „geschmeckt” hat, kommt hier auf seine vollen Kosten: Leichtigkeit, Anmut und  Entspanntheit lassen zutiefst grüßen …

Und trotzdem ein Aber: Als Kind meiner Kultur erlebe ich mich und fast alle anderen eher so, dass wir meist eher genau das Gegenteil tun. Wir kontrollieren uns nahezu umfassend und versuchen fast ständig eine (wie auch immer richtige) Form hinzubekommen. Merke ich beispielsweise, dass ich irgendwo angespannt bin, will ich mich entspannen … ständig will ich irgendwas hinbekommen, richtig machen. Will mich richtig aufrichten, richtig gut gehen, richtig atmen, mich richtig verhalten usw.- statt einfach nur in dem, was ich tue, so anwesend wie möglich zu sein … so nahe ich kann – am Leben zu sein …

Und was zum Himmel würde es bedeuten, wenn wir der Empfehlung Elsa Gindlers (mehr und öfter) folgen würden? Diese Empfehlung auf ganz unterschiedliche Lebensbereiche anwenden würden? Nach einer kurzen Zeit des „So-Übens“ würden mir Aspekte wie Entspannung, Gelassenheit, weniger ist manchmal mehr usw. einfallen. Gekoppelt mit der Erfahrung, dass Dinge ihre eigene, ihnen innewohnende Intelligenz haben und wenn ich mir erlaube, dem (wo es passt) Raum zu geben, wie leicht „es“  d a n n  manchmal sein kann (statt wie üblich an den Dingen und Menschen zu zerren …)

Als Fazit: Wie immer empfehlen wir, eigene authentische Erfahrungen zu sammeln. Wie sollten Sie auch sonst wissen und erfahren, ob diese Idee für Sie und Ihr alltägliches Leben hilfreich ist? Spielen und experimentieren Sie damit, wo und wann Ihre konzentrierte Präsenz, Ihre bewusste Anwesenheit völlig ausreicht, um Entwicklungen in ihrem eignen Tempo ganz natürlich entstehen zu lassen.

Und … gerade bei diesem Thema würden mich Ihre Erfahrungen zutiefst interessieren … Schreiben mir einfach eine Mail.

Ihr

Jürgen Weist