Neues beginnen – Willenskraft entfalten …

 

info

Im Blickpunkt: Neues beginnen – Willenskraft entfalten ...

von Jürgen Weist

Übergang: Das alte Jahr ist gerade verklungen, das neue Jahr 2014 liegt mit seinen Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten vor uns. Für viele Menschen eine Zeit, in der Pläne und Vorhaben für das neue Jahr geschmiedet werden. Vorsätze werden gefasst, Ideen skizziert und mancher Traum scheint (endlich) zum Greifen nah ...

Doch was hilft dabei, Impulse tatsächlich umzusetzen, Ideen zu verwirklichen, Vorhaben zu realisieren?
Wenn man auf Menschen schaut, die dies erfolgreich schaffen, dann scheint u.a. (neben natürlich anderen Aspekten) sowas wie Willenskraft eine bedeutende Rolle zu spielen.

Doch was ist Willenskraft eigentlich? Ist es wirklich eine Art Ding, von dem einige Menschen mehr und andere weniger haben? Das bei einigen Menschen stark und bei anderen eher schwach ausgeprägt ist? Ist Willenskraft eine Art gottgewolltes Talent, von dem man eine bestimmte Menge (oder auch nicht) mitbekommen hat? Im Sinne von, der eine hat es, der andere nicht ... oder ist es auch ein Erklärungs- und Entlastungsmodell für diejenigen, die nicht wirklich „wollen"?

Ein zweiter Fragenkomplex wird sich mit der Frage beschäftigen, inwieweit Wille, also unser Wollen, sich auf Effekte wie Erfolg auswirkt, im Sinne von: „Das, was sie erreicht hat, hat sie mit unbändiger Willenskraft erreicht ... er hat sich überwunden, seinen inneren Schweinehund besiegt ..." und was sonst noch an Ideen durch die Welt geistert.
Also, schnallen Sie sich an... sind Sie bereit, anders oder neu über „Willenskraft" nachzusinnen?;-))

Ich werde mal langsam – zum Aufwärmen – beginnen. Ist Ihnen schon aufgefallen, dass das Thema Wille und Erfolg meistens (oder fast immer) eine Rolle spielt, wenn in einem mehrere innere Tendenzen miteinander im Widerstreit liegen? Wenn es ein „entweder – oder" oder „soll ich es a-, b- oder c-mäßig machen" gibt. Ist dies nicht der Fall, gibt es keinen Widerspruch oder Ambivalenz, dann haben wir meist gar nicht das Gefühl, zu wollen oder des Wollenkönnens, nicht wahr? Wir machen es einfach ...oder sagen, dass macht mir Freude, dazu habe ich Lust usw.
Burschikos gesagt: Das wirkliche inbrünstige Ja zu etwas, ist die Mutter des Wollenkönnes ...;-)))

Generell möchte ich Ihnen die Hypothese nahebringen, dass so etwas wie „Wollenkönnen" (Wille) vor allem bedeutet, in Kontakt mit „etwas" zu sein... dass da ein Ziel ist, das Sie zutiefst bewegt, reizt... etwas, an dem Sie wirklich intensiv interessiert sind. Und zwar unabhängig oder gleichgültig davon, ob Ihnen dieser Kontakt, dieses Interesse bewusst ist oder nicht. So verstanden, ist Wille eine Art (Bewegungs)Energie, die von etwas zu etwas unterwegs ist. Also die These ist – abstrakter formuliert: Mobilisierung durch gerichtetes Interesse schafft die Voraussetzung, auch zu können ... haben Sie mal Kleinkinder beobachtet, die aufgeschlossen, unbeirrbar und konzentriert etwas Neues lernen? Ist da wirklich der übliche Wille im Spiel?

Anderes Beispiel: Vielleicht kennen Sie das? Es gibt immer wieder Menschen, die scheinen willensschwach, kriegen nichts geregelt, weichen eher Herausforderungen und Schwierigkeiten aus ... und dann doch... dann kommen sie plötzlich in eine Situation, in denen sie plötzlich mehr Ausdauer, mehr Willen und Beharrlichkeit beweisen, als ihre Umgebung ihnen je im Leben zugetraut hätte ... Irgendetwas passiert, dass bei diesen Menschen plötzlich Kräfte aktiviert, die viel stärker sind, als z.B. die bremsenden Aspekte der Charakterstruktur. Der Antrieb für viele Heldengeschichten stammt aus dieser psychologischen Dynamik ... und umgekehrt, wenn Menschen nichts mehr oder nur noch wenig haben, das sie wirklich berührt, interessiert, inspiriert ... was sind dann die Folgen? Der o.a. These zur Folge gäbe es dann nur noch wenig (Willens)kraft.

Also ...wenn Sie mal wieder von jemandem annehmen, er oder sie sei willensschwach, dann sollten Sie prüfen, ob in der gestellten Aufgabe oder in der Beziehung zur Aufgabe wirklich alles für die Person stimmt (s. heutigen Denkanstoß)? Wie heißt es in der Einführung in „Systemik für Anfänger": Eigenschaften gehören bezeichnenderweise nicht zu Elementen eines Systems, sondern ergeben sich aus den Interaktionen der Elemente. Aufs Thema umgemünzt könnte dies soviel heißen wie: Sie sind weder willensstark oder –schwach, sondern es kommt darauf an, wie Sie sich zu etwas in Beziehung setzen ... wie sehr „es" (eine Sache, Menschen usw.) etwas (in Ihnen) aktivierend reizt oder herausfordert.

Kurz als Querverweis: Vermutlich erkennen Sie da selbst die Nähe zu Themen wie Berufung, Talentsuche, Sinnerleben und Erfolg.

Und so fordere ich Sie auf: Stellen Sie einmal „Altes" vorübergehend infrage ...Wille ist beileibe kein Zwang gegen sich selbst ... kein aufgeblähtes Eltern- oder Über-Ich, das sich gern mit „Du-musst-Formulierungen" im Alltag meldet. Und natürlich gibt es für jeden von uns Dinge im Alltag, die uns unangenehm erscheinen ... vielleicht auch sind ... und natürlich auch so erlebt werden dürfen. Wer macht schon gern seine Steuerklärung? Es sei denn, Sie entwickeln plötzlich ein tiefes Interesse dafür ...;-)). Nichts ist unmöglich, oder?

Und ja, am Ende meines Beitrages möchte ich Sie – wie schon des Öfteren – (heraus)auffordern: Glauben Sie mir bitte kein Wort. Überprüfen Sie die genannten Ideen gegen den Hintergrund Ihres Alltags auf Tauglichkeit. Funktioniert es wirklich? Macht es für Sie einen Unterschied? Bringt es Sie tatsächlich weiter ...? Bitte machen Sie das, was wir im Integralen Coaching einen „Realitäts-Check" nennen. Genießen Sie die Spannung, es selbst zu probieren... denn, wieviel gute Ideen werden „vorsorglich" gedanklich zu Grabe getragen, im Sinne von: Das funktioniert bei mir bestimmt nicht ...

Vielleicht erfahren Sie – nochmal anders – die Magie der Ihnen innewohnenden Willenskraft. Ich wünsche Ihnen, nicht nur fürs neue Jahr, den Mut und die Kraft, damit zu beginnen, Ihre Träume zu verwirklichen.

Ich freue mich schon jetzt auf Ihre Meinung zu den o.a. Ideen. Auch ergänzenden Hinweise und Widersprüche sind mir willkommen. Schreiben mir einfach eine Mail. Wenn es mir möglich ist, antworte ich auf Ihre Nachricht. Vielen Dank.

Ihr
Jürgen Weist