Ich denke, also bin ich – oder Kopfkino für Anfänger

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Im Blickpunkt: Ich denke, also bin ich – oder Kopfkino für Anfänger

von Jürgen Weist

„Cogito ergo sum" (ich denke, also bin ich ...). Wer kennt ihn nicht, den berühmten Satz von René Descartes. Aber selbst Descartes hat später geschrieben „ (...) ich sehe klar ein, dass man, um zu denken, sein muss. (Ende Zitat). Will sagen, es braucht kein Denken, um zu sein ... und doch erleben sich ganz viele Menschen (ausschließlich) durch oder über ihr Denken.

 kopfkinoWas meine ich nun mit Kopfkino und wen betrifft es?

Jeder von uns denkt am Tag ein paar tausend Gedanken ...mehr oder weniger. Und im Idealfall ist unser klarer, reflektiver Verstand ein wunderbares Instrument, mit dem wir u.a. in einer Art zweiten Realität Ideen kreativ entwerfen und Vorstellungen innerlich „durchspielen" können. Zum Kopfkino allerdings wird das Ganze, wenn wir zwanghaft denken (ein Gedanke jagt den nächsten) und auch die meisten unserer Erwartungen (unbewusst) eher negativ eingefärbt sind. Ich glaube es geht den meisten Menschen so ... dass die meisten Filme sich per se eher mit einem Unhappy-End beschäftigen. Da ist dann im Hintergrund oft ein „Sorgenvolles Ich" als Filmvor(ver)führer unterwegs, das in der Vorstellung eher in einem „Das-will-ich-nicht"-Movie unterwegs ist und so in der Gedankenwelt damit ringt, was wohl so a l l e s passieren könnte – und dann auch noch meint, das sei doch realistisch und konstruktiv.

Mal ehrlich, haben Sie sich je gefragt, warum die meisten Kopfkino-Filme eher „schwarz gefärbtes Kino-Noir" sind? Oder kennen Sie viele Menschen, die zuhause genussvoll seufzend auf dem Sofa in den schönsten Vorstellungen schwelgen und gar nicht raus müssen, weil die Filme, die sie innerlich durchspielen, viel schöner und genussvoller als die beste Wirklichkeit sind? Ich meine, das ist dann doch eher die Ausnahme ...;-)).

Vielleicht hat solches Kopfkino viel mit dem Thema zu tun, dem wir uns im heutigen Denkanstoß angenommen haben. Ich erlebe oft, dass das Thema Angst da eine grundlegende Rolle spielt. In jedem Fall würde ich behaupten wollen, dass der Verstand, der sich oft Sorgen macht, ziemlich emotional eingefärbt ist und damit seine an sich klare spiegelnde Fähigkeit eingebüsst hat. Etwas übertrieben könnte man sagen, man ist dann nicht k l a r bei Verstand ... ;-)). Sie merken vielleicht, ich plädiere für eine wirkliche Stärkung des Verstandes, eines Verstandes, der klar, stark und präsent genug ist, auch mit intensiver Emotionalität angemessen umzugehen.

Kann man da was tun? Unsere Praxistipps zum Thema Kopfkino wären:

  • Sich der Dynamik überhaupt erst einmal bewusst zu werden
  • Für sich eine Hypothese zu formulieren, was wirkt da funktional im Hintergrund?
  • Umstände zu erkennen, die das Kopfkino stärken oder schwächen (wie z.B. Müdigkeit).
  • Lernen, zwischen Vorstellung und wirklichem Leben zu unterscheiden (ausgesprochen anspruchsvoll!)
  • Beginnen, manche Kopfidee gegen die Wirklichkeit zu testen. Ist das wirklich so? Probieren, was ist wirklich?
  • Lernen, dass das Leben grundlegend ein ergebnisoffener Prozess ist. Neugierig sein, was möchte entstehen?
  • Lernen, dass wir allerhöchstens manchmal Wahrscheinlichkeiten beeinflussen können ...
  • Hermeneutisch reifen: Von der Sucht zum Denken – zum Künstler der Bedeutungsgebung werden. Wenn schon Kino, dann bitte à la Pipi Langstrumpf: „Ich mach' mir die Welt, so wie sie mir gefällt ...".

Darf ich Sie ein wenig provozieren (herauslocken)? Natürlich gibt es noch viele andere gute Ideen, aber tatsächlich (und nicht nur im Kopfkino) umgesetzt, sind Sie wahrscheinlich mit den o.a. Impulsen ein paar Jahre wohlauf beschäftigt ... ;-)).

Ich freue mich schon jetzt auf Ihre Meinungen und ergänzenden Hinweise und ggf. auch Widersprüche. Schreiben mir einfach eine Mail. Wenn es mir möglich ist, antworte ich auf Ihre Nachricht. Ich danke Ihnen...

Ihr
Jürgen Weist