Selbstwertgefühl – welche Rolle spielt es in meinem Leben?

info

Im Blickpunkt: Selbstwertgefühl – welche Rolle spielt es in meinem Leben?

von Jürgen Weist

Als Vorbemerkung: Selbstwertgefühl ist ein Riesenthema mit enormen Auswirkungen, das man nicht mal eben in einem Newsletter-Artikel so abhandeln kann. Was ich jedoch versuchen werde: Ihnen das Thema und sein „Drumherum" aus meiner ganz persönlichen Erfahrungsperspektive als Coach und Trainer modellhaft zu beschreiben.
Warum ist Selbstwert für viele ein Thema?

Was fast allen Menschen im Rahmen ihrer Bewusstseinwerdung normalerweise widerfährt, ist, dass sie im Laufe ihrer Entwicklung ein sogenanntes individuelles Ich-Bewusstsein entwickeln. Die Entwicklung des Ich hat jedoch einen Preis. Schon Carl Gustav Jung beschrieb dies als Verlust der ursprünglichen Einheitserfahrungen, einfacher gesagt, wir bezahlen für das entstehende Ich mit dem Verlust des Urvertrauens. Angst erscheint auf der Bildfläche ... wie gesagt, das ist normale gesunde Entwicklung und trifft die meisten von uns.

Womit ringt das normale Ich im Alltag?
Vom Urvertrauen getrennt, entstehen vier Hauptsymptome, mit denen wir uns dann mehr oder minder im Alltag herumplagen. Die ersten drei werde ich heute nur kurz streifen, um etwas mehr aufs Selbstwertgefühl einzugehen. Also, die Auswirkungen sind:

  1. Angst (in ganz unterschiedlichen Dimensionen und Formen). Das Ich verwendet einen großen Teil des Lebens und der vorhanden Energie für alles, was das Dasein sichert, was Angst abwehrt, verkleinert, bewältigt usw.
  2. Abneigung gegen Ambivalenzen und Widersprüche. Widersprüchliches (Mehrdeutigkeiten) wird nur schwer ertragen und ausgehalten. Ambivalenzen werden nicht als kreative Reifespannung erlebt, sondern stressen. Einfache Eindeutigkeiten und klare Ursachen werden bevorzugt ...
  3. Lebendiges Chaos muss kontrolliert werden oder Ordnung ist das halbe Leben. Mittels Regeln, Normen, Verboten, Tabus usw. bekämpft man(n) sehr kultiviert den Teil der Lebendigkeit, der nur schwer zu ertragen/ auszuhalten ist.
  4. Existenzberechtigung/ Selbstwertgefühl: Mit dem Grund- oder Urvertrauen verlieren wir meist auch dieses Hintergrundgefühl, das uns wissen lässt, ja, es ist gut, dass Du da bist! Du bist willkommen, Du bist genauso gemeint (von Deinen Eltern, dem Leben, dem Numinosen). Der gleiche Vorgang trennt uns auch von unserer Berufung, dem Kernwissen, warum wir, wozu wir da sind? Daraus entstehen dann zwei Bedürfnisebenen, die ich vereinfacht als die Sucht nach Anerkennung und Bestätigung bezeichnen möchte. Hier sind wir mitten drin im Thema Selbstwertgefühl und all seinen Auswirkungen. Anerkennung verstehe ich als bedingte Zuneigung. Du bist wertvoll, wenn du viel leistest, tust, erreicht hast usw. Bestätigung meint unbedingte Zuneigung. Soviel wie: Es ist gut, dass es dich gibt, allein, dass du da bist, ist wundervoll.
    Sie haben sicher selbst eine Ahnung, was Menschen alles tun, machen oder lassen, um ja Bestätigung und Anerkennung von außen zu erlangen ... Es ist ja auch ein existentieller Hunger, der da an uns nagt.

Worauf möchte ich hinweisen? Was wäre eine Lösung für dieses Dilemma?

Wir (damit meine ich die meisten Menschen) leiden ab der Lebensmitte mehr oder weniger (bewusst) unter den oben erwähnten Symptomen. Das kann man auch als Aufforderung des Lebens verstehen, über das (anfänglich beschränkte) Ich-Bewusstsein hinauszuwachsen, ein reifes, ganzes Ich (oder Selbst) zu entwickeln, das wieder an die Ganzheitserfahrung, dem Urvertrauen, angeschlossen ist. Neben dem von uns angebotenen Weg, dem Integralen Coaching, gibt es da sicher viele andere unterstützende Praxiswege. Und ... was auch möglich ist ... natürlich kann man in dem beschriebenen Ich-Bewusstsein ein ganzes Leben verbringen, es hat einfach nur seine ganz bestimmten Vor- und Nachteile. Das Ganze gibt es auch in Form eines kurzen Videos (ca. 15 min), zusammengeschnitten aus einem Arbeitstreffen. Wenn Sie reinschauen möchten... einfach in der Spalte rechts ganz oben klicken.

So, das wäre es für heute, was ich Ihnen in aller Kürze und Würze zum Thema Selbstwertgefühl mitteilen möchte. Vielleicht noch einmal die Kernaussage: Wer sein Urvertrauen spürt, zurückgewinnt, damit in Kontakt ist, hat keine (oder eben viel weniger) Selbstwertprobleme, sondern wird sich sogar durch ein besonderes Maß an Lebenslust, Begeisterung und Zuwendung hervorheben. Natürlich darf man dann immer noch Probleme meistern ... aber man hat einfach eine andere Grundlage, steht anders im Leben da und ist viel handlungsfähiger.

Soweit für heute ... ich freue mich schon jetzt auf Ihre Meinungen und ergänzenden Hinweise und ggf. auch Widersprüche. Schreiben mir einfach eine Mail. Wenn es mir möglich ist, antworte ich auf Ihre Nachricht. Vielen Dank.

Ihr
Jürgen Weist