Punkt oder Raum – welches Bewusstsein bevorzugen Sie?

info

Im Blickpunkt: Punkt oder Raum – welches Bewusstsein bevorzugen Sie?

von Jürgen Weist

Das Storyboard zu diesem Text: Wir, in diesem Fall meine Partnerin und ich, saßen bei den ersten Sonnenstrahlen im Pinneberger Rosengarten und fingen an, über das Thema Bewusstsein zu reden ...
Ich glaube, Eckhardt Tolle hat davon geredet, dass eine Entwicklung des Bewusstseins in Richtung räumliches Bewusstsein gehen müsste. Keine Ahnung, was er gemeint hat, aber uns sind dazu ein paar alltagsnahe Ideen und Inspirationen gekommen.

Ich beginne zum Start damit, was wir damit meinen...

1. Punkt-Bewusstsein:
Ist die Art von Bewusstsein, das wir an uns selbst und den meisten Menschen um uns herum wahrnehmen. Es zeichnet sich dadurch aus, dass:

  • nur bestimmte (Bezugs-)Punkte als gut und richtig erlebt werden (z.B. nur wenn ich erfolgreich bin, bin ich okay) – alles andere ist nicht okay oder fühlt sich nicht optimal an. Schnittmengen/ Übereinstimmungen sind eher klein und schwierig. Das Diskrepanzen-/ Konfliktpotenzial ist hoch ... der Trennfaktor hoch.

  • Widersprüche und Ambivalenzen machen Stress. „Sowohl als auch" ... ist hier eher kein gängiges Konzept. „Entweder oder" passt viel besser... Eindeutigkeit wird bevorzugt.

  • Wissen (um die richtigen Punkte) spielt eine übergeordnete Rolle ...Fokus (Referenz) ist hier auch eher außen.

  • Entwicklungen sind eher eine Abfolge von richtigen Punkten (fünf Schritte zum Erfolg ist eher ein passendes Konzept). Es geht um lineare Linien ...

  • Feedback: Kommt eher von außen „gut gemacht" ..., hat eher mit Erreichtem zu tun (an der nächsten Kreuzung rechts).

Ich könnte noch mehr Kriterien auflisten, möchte aber hier nicht zu langwierig werden und werde versuchen, jetzt im Unterschied dazu das Raum-Bewusstsein zu beschreiben.

2. Raum-Bewusstsein:

beIst die Art von Bewusstsein, das wir bei uns und anderen eher selten erleben. Es zeichnet sich dadurch aus:

  • Dass innerhalb eines Raumes mehrere Punkte richtig sind/ sein können. Mehrere Teilwahrheiten (sogar widersprüchlich wirkende) können anwesend sein, ohne dass dies unpassend wird. Das ist eine Art „Ja", das mehr als eine Position umfassen kann. Beispiel: Im Raum Partnerschaft ist nicht wichtig, ob ich gerade in einer bin oder nicht. Die Bildung von Übereinstimmungen und Schnittmengen ist leicht bzw. das Potenzial dazu viel größer .... der Trennfaktor klein.

  • Widersprüche und Ambivalenzen werden in einem bestimmten Umfang als lebendige Reife- und Entwicklungsspannungen erlebt. Sind sozusagen das „Salz in der Suppe". „Sowohl als auch" oder sogar Haltungen darüber hinaus können hier gelebt werden ... Mehrdeutigkeit wird bevorzugt.

  • Fühlen spielt hier eine größere Rolle als Wissen. Um Punkte zu erreichen, muss ich nur wissen wohin, um mich in Räume zu bewegen, braucht es Gefühl ... Fokus ist innen und außen (Referenz auch).

  • Entwicklungen haben einen Bezug zu Bewegungen innerhalb von Räumen ... ich muss nicht Punkt X erreichen, sondern im Umgang mit Spielräumen, Beziehungen (Relationen), Bewegungen einiges bewältigen. Das ist eher nicht-linear ...

  • Feedback: Für diese Bewegungen ist es bedeutsam, zu wissen, wo bin ich in welcher Relation in welchem Raum. Da setzt äußere und innere Feedbackschleifen voraus. Beispielsweise beim Tanzen erreiche ich ja nicht ein Ziel (und verbliebe möglichst lange an diesem Haltepunkt), sondern bewege mich und meine Partnerin in Relation zur Musik, dem Boden und den anderen Tanzpaaren im Raum.

Wozu diese Unterscheidung gut sein könnte?

Was meinen Sie denn? Umfassend würde ich den Begriff Lebensqualität benennen. Aber es gibt auch jede Menge Unterthemen: Stress, Erfolg, Entspannung, Haltung, Beweglichkeit, Anstrengung oder Leichtigkeit, wieviel Widerstand, Konflikte usw. und vieles andere mehr. Natürlich haben Sie gemerkt, dass ich das Raum-Bewusstsein ein wenig bevorzuge. Das hat den schlichten Grund, dass der Raum den Punkt umfasst. Was so viel meint wie: Wer räumliches Bewusstsein entwickelt hat, kann jeden Punkt innerhalb des Raumes einnehmen. Ach ja, zum Ende der Geschichte: Es kam zu dem eingangs erwähnten Gespräch, weil wir uns über den Aspekt Integrität ausgetauscht haben. Integrität als die Haltung, die uns ermöglicht, möglichst angstfrei und entspannt mit den Anforderungen des Alltags umzugehen.

Was meinen Sie dazu? Schreiben mir/uns doch einfach eine Mail. Wenn es mir möglich ist, antworte ich gern auf Ihre Nachricht. Vielen Dank.

Ihr
Jürgen Weist