Überforderung

info

Im Blickpunkt: Überforderung

von Jürgen Weist

Als Vorbemerkung: Als ich Bücher zum Thema suchte, war ich überrascht, wie viel Literatur es zum Thema Überforderung gibt. Ursachenforschung, Überforderung als Ausrede, Gesellschaftskritik, jede Menge Ratgeber: Wie werde ich stärker, schneller und noch aktiver ...“wow“, dachte ich bei mir, das Thema ist gefragt. Wie bin ich auf das Thema gekommen?

Eigentlich aus banalem Grund. Mir ging es gar nicht um große Themen, wie Burnout, Resilienz usw. Mir fiel einfach auf, dass ich selbst und viele andere Menschen im normalen Alltag relativ leicht in kleine Mikro-Überforderung geraten. Also immer, wenn

  • man unter Stress gerät,
  • sich eher zurückzieht,
  • abweisend, abwehrend reagiert,
  • sich das Gefühl kleiner Hilflosigkeiten, Unlustgefühle usw. einstellen,
  • man sich (z.B. in den Schultern) verspannt oder der Atem stockt/ anhält usw.
  • man das Gefühl hat, es wird anstrengend, man muss sich (ein Stück weit) dazu zwingen ...

könnte das ein Hinweis auf Überforderung im weitesten Sinne sein.
Keine Angst, ich will Ihr Selbstwertgefühl nicht demolieren, weil ... weil in unserer Gesellschaft ist man ja gern kompetent, stark und ausdauernd ... natürlich 24 Stunden jeden Tag.

Worauf möchte ich hinaus?
Sollte es Ihnen manchmal wie mir gehen, so könnten diese kleinen Überforderungen Hinweise, Tore zu Ihren Stärken, Potenzialen und ungenutzten Ressourcen sein. Ich gebe zu: Wenn man seine kleinen Überforderungen bewusst(er) auf den Zettel bekommt, kollidiert dies manchmal mit der geschönten Ideal-Vorstellung von sich selbst.
Auf der anderen Seite: Ein ehrliches Selbstverständnis entsteht. Man erlebt, wie man wirklich ist und wo man entwicklungstechnisch gerade steht.

Als Einladung gemeint:
Spüren Sie diesen Ideen experimentell nach ... hören Sie genau hin, wenn Zitate fallen wie:

  • das ist mir jetzt zu viel,
  • da steht mir das Wasser bis zum Hals,
  • das wächst mir über den Kopf,
  • da dreh' ich am Rad.

Sie merken schon: Das, worum es geht, ist eigentlich nichts Neues. Der Volksmund kennt auch mögliche „Gegenmittel“:

  • den Ball flach halten,
  • mal halblang machen,
  • sich wieder einkriegen,
  • mal runterkommen vom Gas.

Dafür empfehlen wir das Folgende:
Gehen Sie auf einer Ebene feinfühlig(er) mit sich um. Schließlich sind Sie sich selbst der/ die Nächste, oder? Nehmen Sie wahr: Wo wird Ihnen was zu viel, wo spielen situativ Zeit (z.B. Dauer), Intensität und Qualität eine Rolle? Wieviel Bälle haben Sie aktuell in der Luft? Finden Sie Ihr stimmiges Maß – vielleicht sogar jeden Tag neu. Welche Strategien haben Sie für Ihren persönlichen Ausgleich und für Regeneration? Und last but not least: Passt es zu Ihrem Selbstbild, auch mal einfach überfordert sein zu dürfen?

Auf der anderen Ebene: Wenn Überforderungen Aufforderungen oder Einladungen wären? Wozu? Was liegt dahinter? Was ist das Potenzial darin? Was ist noch nicht da ...und was könnte da sein? Ein wenig poetisch formuliert: Wenn unsere Überforderungen Tore wären, wo wir auf unsere tieferen Möglichkeiten hin situativ offen sind – was zeigt sich da? Ich bin immer wieder erstaunt, was mit dieser Perspektive an Begeisterung, Intelligenz und Begabung geweckt werden kann.

Was halten Sie davon, auf diese Weise mit Überforderungen umzugehen?

Was halten Sie davon, auf diese Weise mit Überforderungen umzugehen? Ich freue mich schon jetzt auf Ihre Meinungen, Ergänzungen und auch Widersprüche. Schreiben mir einfach eine Mail. Wenn es mir möglich ist, antworte ich gern auf Ihre Nachricht. Vielen Dank.

Ihr
Jürgen Weist