Ist der meiste Stress vielleicht nur hausgemacht?

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Im Blickpunkt: Ist der meiste Stress vielleicht nur hausgemacht?

von Jürgen Weist

Der Name der Geschichte zum Thema lautet: „Eine einfache Autofahrt nach Hamburg.“ Falls sie nicht zu Ihrem Alltag passt, ich bin sicher, Sie finden etwas Entsprechendes ...

Ein Termin in Hamburg, den wir mit dem Auto erreichen wollten. Auf der Autobahn - Stau, auf der intelligent gewählten Ausweichstrecke - Stau. Die Minuten verrannen ungefähr so schnell, wie wir nur langsam vorankamen. Die restlichen Details erspare ich Ihnen, okay?

Der Hormonspiegel stieg und obwohl ich theoretisch weiß, was abläuft, passierte es trotzdem. Wie notierte ich mir noch während der Fahrt: Sensibilität und äußere Anforderungen (die scheinbar schwer zu erfüllen waren) schaffen Stresserleben.

Die Folge bei mir:

  • Die Wahrnehmung verengt sich …
  • Die innere Anspannung nimmt rapide zu.
  • Das Mitgefühl mit mir selbst & der Umwelt sinkt und zwar massiv.
  • Dauert der Zustand zeitlich an, so scheint er sich zu verfestigen und man braucht länger zum „Herunterkommen“.
  • Geringste Störungen im Geschehensablauf bringen dann das „Fass zum Überlaufen“ und man verliert seine Fassung.
  • Lebensfreude und Humor sind (bei mir!) fast wie weggeblasen.
  • Angemessen zu reagieren scheint dann fast unmöglich.
  • Und passiert mir das öfter, so trägt es nicht gerade zu meiner Gesundheit bei.

Okay, wer noch keine Hornhaut auf der Seele hat, kennt es so oder so ähnlich in bestimmten Situationen. Ist nicht wirklich etwas Neues, oder? Worauf möchte ich also hinaus? Auf zwei Dinge:

  1. Solange ich noch bewusst merke, was passiert, kann ich meinen Zustand verändern. Dann bin ich noch handlungsfähig. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Ich nehme dann nämlich genau wahr, wie sich mein Zustand „verschlechtert“ (situativ anpasst), ohne darin zu versinken, mich zu verlieren usw. Ich bleibe präsent …so lange es irgend geht.
  2. Auf einer weiteren Ebene versuche ich herauszubekommen, warum meine Emotion „hochdreht“. Was ist scheinbar gefährdet, mir wichtig usw.? Auch das ist – in der Situation – nicht so leicht, geht aber (immer besser). Ich kann dann vernünftig wahrnehmen, was eigentlich los ist. Kommt doch Vernunft von vernehmen, oder? Das Ganze ist eine Übung darin, sich selbst zugewandt zu bleiben und letztlich damit auch nach außen handlungsfähig zu sein. Immer wieder erfahre ich dabei, dass meine (emotional eingefärbte) Vorstellung nicht sehr wirklichkeitsnah ist und der meiste Stress durch die Vorstellungen in meinem Kopfkino entsteht.

Alle technischen Tricks, die ich im Laufe der Jahre kennengelernt habe, ob Atmen, die Vorstellungen verzerren und was da alles empfohlen wird, helfen zumindest bei mir nicht wirklich, da sie letztlich nur die Symptome verringern. Ein wenig so, als würde man jemandem mit Asthma sagen, wenn das Atmen schwer wird, einfach durch den Strohhalm atmen. Und außerdem … wer erinnert sich noch an all´ die guten Tipps, wenn er im Stress ist...?
Nun, an dieser Stelle könnten Sie sich fragen: Wie bekommt man das hin? Wie bleibt man präsent, während der Stresstopf hochkocht? Wie erkenne ich, welche Vorstellung mich da gerade (unbewusst) antreibt? Letztlich die Frage, wie bleibe ich - möglichst lange - entspannt und gelassen?

Eine interessante Teilantwort darauf können Sie im heutigen Denkanstoß lesen …ach, und um die Geschichte noch zu Ende zu erzählen: Wir sind dann doch noch rechtzeitig angekommen und der ganze Stress war völlig umsonst.

In diesem Sinne
Ihr
Jürgen Weist