Persönliche Integrität

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Im Blickpunkt: Persönliche Integrität

von Jürgen Weist

Da sich der letzte Newsletter mit dem Thema Verantwortung beschäftigt hat und Integrität eine der fünf Säulen im Conzendo-Ansatz des #IntegralenSelbstbewusstsein ist, möchte ich heute etwas zum Thema Integrität beitragen. Das Wort selbst bedeutet so viel wie unversehrt, intakt oder vollständig. Ich starte mit meinem Übersichtshubschrauber von einer alltäglichen Plattform aus.

integerDie Frage dazu lautet: Wie sehr stimmt das, was Menschen sagen und dann tun, überein? Wie integer ist das? Und wenn nicht, welche Auswirkungen könnte dies haben?

Klar jeder von uns kennt vermutlich viele Situationen, wo andere uns gegenüber nicht ihr „Wort gehalten“ haben. Auch wir selbst kommen sicher in solche Situationen, wo es uns schwerfällt oder wir es nicht hinbekommen, unsere Zusagen einzuhalten. #
Die Sprachbilder bringen es auf den Punkt: „Zu seinem Wort stehen, es halten, sein Wort geben, ein Mann ein Wort“. Was kommt da eigentlich zum Ausdruck? Ich würde meinen, da geht es viel darum, inwieweit Gesagtes mit dem Tun in Einklang ist. Und was wäre, wenn das auch die Grundlage für unsere Integrität ist?

Jetzt könnte man sagen, das ist doch alles ziemlich spitzfindischer, philosophischer Krams. Ich bin da nicht (mehr) so sicher. Auch wenn Menschen auf einer Ebene durchaus Vorteile dadurch haben können, wenn sie Zusagen nicht einhalten oder ihr Wort brechen. Auf einer psychologischen Ebene (jedenfalls meine These) bezahlen sie einen Preis dafür. Anders gefragt geht vielleicht um die Frage, ob Wahrhaftigkeit uns stärkt und das Gegenteil uns schwächt? Oder ins Herz der Angelegenheit gefragt: Wenn zwischen dem, was wir sagen und tun eine Diskrepanz besteht, wie gehen wir damit um? Wie wirkt sich das auf unsere Integrität aus? Wie halten wir dann unsere Selbstkonsistenz aufrecht?

Oder anders formuliert: Warum brechen Menschen ihr Wort? Klar gibt es tausend Gründe: Respektlosigkeit, Egozentrik, Mangel an Einfühlung ins Ganze, Beziehungsproblem u.v.a.m. Kleiner Seitschritt: Einer meiner Lehrer hat das mal auf die Frage heruntergebrochen, ob und wann man selbstexpansiv (sich ausdehnend) und wann selbstrestriktiv (einschränkend) ist? Interessant, oder? Und auf der anderen Seite ist persönliche Integrität etwas, das Stärke, Verlässlichkeit und Vertrauen hervorbringt. Noch platter formuliert: Wir werden effektiver, unsere Interaktionen werden gehaltvoller und Kompetenz, Beabsichtigtes zu erreichen (ich nenne das Entschlossenheit), wächst, wenn wir den geschilderten Zusammenhang erkennen und bewusst(er) leben. Und on the top: Unser Erleben ganz und vollständig zu sein (integer zu sein) steigt …

Als Fazit und langer Rede kurzer Sinn: Der Grad persönlicher Integrität (wie wahrhaftig wir unterwegs sind) hat hohe moralische, psychologische und ontologische Auswirkungen auf uns. Oder anders gesagt: Wenn wir tun, was wir sagen, dann stärkt uns das grundlegend.

Herzlichst
Ihr
Jürgen Weist