Spannung ein unbekanntes Wesen?

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Im Blickpunkt: Spannung ein unbekanntes Wesen?

von Jürgen Weist

Ich versuche mich heute einmal an einem ungewöhnlichen und gleichzeitig komplexen Thema. Es ist vielleicht eines, über das sie sonst kaum etwas zu lesen finden. Es geht um die persönliche Spannung oder unseren Tonus.

Alltagssprache bildet das Thema in Worten wie folgt ab: Abgespannt, aufgedreht, durchhängen, hochgetaktet sein usw. Ein paar von Ihnen werden vielleicht sogar Spannungskopfschmerzen oder Muskelverspannungen kennen. Aber um was geht es da eigentlich? Ist das ein muskuläres Phänomen mit psychischen Auswirkungen oder umgekehrt?

Nach unseren Beobachtungen wirken Körper und Geist da wechselseitig aufeinander. Man spricht auch vom sympathischen und parasympathischen Nervensystem. Strengt man sich körperlich längere Zeit an, so hat dies meist auch mentale Auswirkungen. Darf man sich länger mental konzentrieren, so wissen wir, hat dies erkennbare körperliche Auswirkungen.

tauNur wenige Menschen, die wir kennen, haben einen bewussten Umgang mit der persönlichen Spannung, ihrem Tonus gefunden. Man könnte sogar vereinfachend sagen, dass es Menschen mit einer Art Überspannung (Hypertonus) und auch Unterspannung (Hypotonus) - manchmal je nach Situation - gibt. Dieser Text soll ein Plädoyer für eine Art gesunden Spannungskorridor (die rechte Spannung) sein, soll bewusster machen für dieses Phänomen und seine psychologischen (Aus)Wirkungen. Als Sinnbilder passen vielleicht ein Musikinstrument, dessen Saiten zu straff oder zu locker sind oder ein Reifen, in dem sich zu viel oder zu wenig Luftdruck befindet. Abstrakt könnte man sagen, unser Tonus ist die Art von Gestimmtheit, aus der wir heraus auf Impulse aus der Umwelt reagieren. Ist die Spannung optimal entsteht Wohlklang (oder Resonanz) z.B. in der Musik. Überträgt man dies auf menschliches Verhalten wäre vielleicht Angemessenheit der Ausdruck von Resonanz. Ist die Spannung zu hoch oder zu niedrig ist Dissonanz die Folge. Sie ahnen vielleicht schon jetzt, wieviel dies mit Interaktionen und Kommunikation zu tun haben könnte, oder?

Was können Auswirkungen „von zu hoher Spannung“ sein?
Ich habe mich dazu an eine meiner Lieblingsquellen angelehnt. Es ist die Arbeit des deutschen Zenmeisters Karlfried Graf Dürckheim, dem Begründer der sogenannten Initiatischen Therapie.

Also hier ein paar Auswirkungen:

  • Massives Festhalten an Bestehendem und damit quasi ein Leiden unter Veränderungen
  • Ein hohes Maß von Sorge & Angst
  • Es gibt feste Vorstellungen, wie etwas zu sein hat und wenn es anders ist, dann kommt Stress auf …
  • Eine hohe Tendenz zum Einordnen, Kategorisieren und (verstandesmäßigem) „Begreifenwollen“.
  • Ein hohes Streben nach Sicherheit bei oft gleichzeitig hohem Bedürfnis nach Anerkennung usw.

Was können Auswirkung von „zu niedriger Spannung“ sein?

  • Eine eingeschränkte Selbstwirksamkeit (das Zurechtkommen im Alltag scheint manchmal schwierig.)
  • (Innerer) Halt wird eher im Äußeren und bei anderen gesucht.
  • Oft scheinen (widersprüchliche) Emotionen eine Zeitlang die Oberhand zu gewinnen.
  • Unordnung, fehlende Struktur und Entlastung statt Bewältigung zeigen sich als Verhaltensmuster.
  • Ein hoher Anpassungsdruck bei oft gleichzeitiger Selbstaufgabe usw.

Sie merken schon, mich fasziniert dieses Thema. Es hat so ganz grundlegend und vielschichtig mit Lebensqualität zu tun.
Ich werde mich aber aufs Wesentliche beschränken und noch einige Tipps aus meiner Praxis auflisten, die – erprobt - beim Ausgleich helfen.

Wie kann ich meine Spannung senken? (Kurzhinweise)
Suchen Sie Dinge, Aspekte und Ort, die Ihre Energie besänftigen: Ruhe und Inaktivität, tiefes Ausatmen, meditative Elemente, Aufenthalt in der Natur, entspannender Sport (z.B. Yoga, Tai Chi), Öl-Massagen, Ernährung (mehr basenorientierte Nahrung).

Wie kann ich meine Spannung erhöhen? (Kurzhinweise)
Suchen Sie Dinge, Aspekte und Ort, die Ihre Energie aktivieren: Fluss und Aktivität, tiefes Einatmen, kontemplative Elemente, Licht, aktivierender Sport (z.B. Laufen), aktivierende Massage (z.B. Sport-Massage), Ernährung (mehr säureorientierte Nahrung).

Sicher haben Sie selbst auch schon viele gute Ideen und Erfahrungen gesammelt. Wenn Sie Lust haben, so schreiben Sie mir gern, was Ihnen zu dem Thema so durch den Sinn geht, welche Erfahrungen Sie gesammelt haben und welche Tipps aus Ihrem Erleben entstanden sind. Auch Fragen sind mir sehr willkommen …

Herzlichst
Ihr
Jürgen Weist