Zweifel an sich …

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Im Blickpunkt: Zweifel an sich …

von Jürgen Weist

Der Titel des heutigen Blickpunktes bringt es schon teilweise auf denselben. Was sind eigentlich Zweifel, an und für sich? Und warum erleben wir Zweifel meist als ein „Etwas“ das über äußere und innere Beschreibungen oder Bewertungen ausgelöst, dann auf bzw. in uns wirkt?

Nähert man sich dem Thema an, so findet man dann auch Sprachbilder wie „den Zweifel nähren“ und oder „der Zweifel nagt“ an etwas. Zweifellos hat weniger mit Losen zu tun als denn mit Gewissheit. Um was geht es da eigentlich und wie kann man für sich persönlich damit einen halbwegs guten und konstruktiven Umgang finden?

zweifel2Im Begriff selbst steckt schon das Wort zwei. Geht man in diese Richtung weiter, so ergibt sich im Prozess doch oft ein Schwanken, ein Hin und Her zwischen zwei und mehr Möglichkeiten und für einen selbst ist die Wahl oder das Festlegen schwer bis unmöglich. Gerade dann, wenn Alternativen sehr nahe beieinander sind, sehr ähnlich sind. Dieses Flackern, die (scheinbar) fehlende Eindeutigkeit macht uns (unserem Nervensystem) zu schaffen. Entschlossenheit, Entschiedenheit gehen flöten … eine Bewegung, Handeln ist dann nicht mehr so leicht. Es könnte ja in die falsche Richtung gehen usw.
Also auch hier ist es möglicherweise eine Frage der Dosis. Ein Zuviel an Zweifel verwirrt, lähmt bis zur Selbstverneinung, führt ggf. sogar in die Vorhölle der Verzweiflung und doch …auf der anderen Seite …ein Zuwenig schafft Leichtgläubigkeit, Naivität und halbgare Teilwahrheiten und kreiert manchmal unglückliche Ergebnisse.

Interessant kann es auch sein, den Geltungs- oder Gültigkeitsbereich des Zweifels zu betrachten. Darf der (gesunde) Zweifel auch sich selbst bezweifeln oder ist der Zweifel von sich selbst ausgenommen? Edison hat dazu ganz treffend formuliert: „Zweifel klettert auf den Baum der Erkenntnis, Rechthaben hängt sich an ihm auf“. Oder so ähnlich …😉

Und es scheint, es gibt einen Zusammenhang zwischen Denken, Wissen und der Fähigkeit, zweifeln zu können. Je mehr Wissen, umso mehr Zweifel oder umgekehrt, wer nichts weiß, kann auch nur wenig bezweifeln. Und doch … kultiviert ist der Zweifel ein hervorragendes Werkzeug zu tieferer Erkenntnis… ein Ringen, ein Ausloten eines nächsten Levels von Wahrheit … und demzufolge vielleicht sogar der Anfang von Weisheit.

Also langer Rede vortrefflicher Sinn: Auch wenn viele Erfolgstrainer davon sprechen, Zweifel loszuwerden oder zu überwinden. Das möchte ich gern bezweifeln. Unsere Empfehlung: Geben Sie als denkendes Wesen dem Zweifel einen guten Platz (siehe heutiger Denkanstoß) in Ihrem Leben. Hegen und pflegen Sie ihn als eine Art wertvolle Nutzpflanze, aber achten Sie darauf, dass er andere Sprösslinge, Blüten und Früchte nicht überwuchert …

Herzlichst
Ihr
Jürgen Weist