Wer fragt, ist in Bewegung ...

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Im Blickpunkt: Wer fragt, ist in Bewegung ...

von Jürgen Weist

Es sind wieder sieben Fragen geworden... Fragen, die bewegen … die Anstöße vermitteln können und vielleicht neue Perspektiven entstehen lassen. Fragen, bei denen möglicherweise die Antworten gar nicht so wichtig sind, sondern das, was allein durch die Frage an sich entsteht...

nl jan 20 11. Wie sehr bin ich mir bewusst, dass ich (fast immer) den Dingen ihre Bedeutung zumesse? Oder Hermeneutik für Starter. Wir Menschen neigen dazu, den Aspekten der Umgebung hinsichtlich der für uns wichtigen Aspekte (Überleben, Werte, Auswirkungen auf uns) eine Bedeutung zuzumessen. Das ist normal, aber meist unbewusst. Wie sehr sind Sie sich der Subjektivität und des Prozesses an sich bewusst?
Beispielhaftes: Ich überlege, welche Auswirkungen das Klimapaket (CO2-Bepreisung usw.) auf mich und meine Familie hat? Auf den raschen Wandel (egal wo) reagiere ich mit erst einmal mit Zurückhaltung. Ich warte erst einmal ab und schaue, wie sich was entwickelt.

2. Wie wirklichkeitsnah ist meine Wahrnehmung? Können Sie emotional relativ neutral bleiben oder sich (wie man so sagt) rasch wieder einkriegen? Wie sehr sind Sie in Ihrem Gedankenkarussell oder Ihren Kopfgeschichten zu Hause oder gefangen? Wie gut können Sie „Etwas“ wahrnehmen, ohne es gleich einordnen oder bezeichnen zu müssen?
Beispielhaftes: Ich höre jemandem zu, ohne ihn gleich bewerten zu müssen oder innerlich eine Antwort auf das Gesagte zu formulieren. Ich lasse etwas oder jemanden erst einmal so sein und umfassend(er) auf mich wirken.

3. Welchen Sinn und Wert hat Emotionalität in meinem Leben? Der deutsche Zenmeister Graf Dürckheim meinte, die einzige Aufgabe des Rationalen sei, dem Nichtrationalen Lebensräume zu verschaffen. Verrückt? Passend? Wie ist Ihr Verhältnis zu Emotionen in sich und bei anderen so ganz grundsätzlich?
Beispielhaftes: Wenn es mir gutgeht, finde ich das toll. Wenn es mir schlecht geht, dann finde ich das eher blöd. Ich habe Angst davor, Angst zu haben. Ich will, dass es allen gut geht. Oder: Alle Emotionen sind wertvoller Ausdruck von Lebendigkeit.

4. Entscheidungen – wie geht es mir damit? Wie oft kommen Sie an Punkte, die nach „Entweder-oder“ schmecken und Sie nicht wissen, was Sie tun sollen? Wie gut können Sie Ungewissheit usw. aushalten und ertragen? Wie definieren und erreichen Sie Klarheit und Eindeutigkeit für sich und welche Erfahrungen haben Sie damit gesammelt? Brauchen Sie stets einen Plan A, B usw.?
Beispielhaftes: Manchmal würde ich gern was ändern, habe jedoch Angst vor den Konsequenzen. Bei Entscheidungen weiß ich oft nicht, wie ich mich entscheiden soll und habe Angst, das Falsche zu wählen. Fehlende Entscheidungen sind wie Ballast, den man nur schwer loswird.

5. Was ist mir wichtiger: Die Ursachen von „etwas“ zu kennen oder damit einen angemessenen Umgang zu finden? Welchen Wert hat Wissen an sich und wann hilft es Ihnen tatsächlich bei der Umsetzung von etwas? Oder anders gefragt-sagt: Müssen Sie etwas kennen oder begreifen, um damit gut umzugehen?
Beispielhaftes: Um einen Fahrkartenautomaten zu bedienen, braucht es kein Verständnis über die innere Funktionsweise. Ich selbst verstehe mich schon nicht so richtig, wie will ich da das Verhalten von anderen begreifen?

6. Wogegen leiste ich eigentlich wie Widerstand? Es gibt Dinge, die wir nur ungern oder widerwillig tun? Oder Sachen, die wir nur schwer akzeptieren oder hinnehmen können. Oft sogar eher unbewusst. Manchmal passt das und manchmal hält uns das von einer möglichen (notwendigen) Entwicklung ab. In jedem Fall kostet es uns Kraft. Ich prüfe für mich, wo fällt mir „Mitgehen“ schwer, wo gerate ich ins Beharren oder bin auf etwas Bestimmtes „versteift“. Und dann gehe ich dem „Warum“ nach …
Beispielhaftes: Jemand ist in einer Situation, die sich Schritt für Schritt verschlechtert und reagiert - angesprochen darauf - mit „so schlecht ist es nun auch wieder nicht“. Oder: Meine Frau möchte mit mir tanzen gehen und ich probiere es nicht einmal aus und habe dafür (ohne tatsächliche Erfahrung) viele „gute Gründe“ für´s Nein.

7. Gedankenexperiment: Wie wäre es, wenn ich jemand anderes sein könnte? Wie sehr ist Identität für Sie (als Prozess) veränderbar? Gestaltbar? Sind Sie (und bleiben Sie) so, wie Sie (geworden) sind? Oder könnten Sie sich vorstellen, dass die Beziehungen, in denen Sie verweilen und die darin stattfindenden Interaktionen Sie hervorbringen – wie ein Boden eine Pflanze? Oder wenn Sie sich selbst andere Geschichten (Mantren) über sich erzählen würden, inwieweit würde das Ihre Identität interessant beeinflussen?
Und hier wie immer die Anschlussfrage: Wie würde sich das auf Sie selbst, andere, Situationen, Ergebnisse usw. auswirken? Wozu könnten Sie dann wesentlich mehr beitragen? Wie würde dies Ihr Lebensgefühl bzw. Ihre Lebensqualität möglicherweise verändern?

Ein frohes, gesundes & für Sie wesentliches neues Jahr wünscht Ihnen
Ihr Conzendo-Team

Sabine Babnick & Jürgen Weist