Coaching oder Bogenschießen

Coaching oder wie lerne ich japanisches Bogenschießen...oder wer nicht zielt, lernt treffen!

Nach der Meinung von Experten geht es im japanischen Bogenschießen ums Schießenlernen, nicht ums Treffenlernen. Wieso, fragt sich da der westliche Geist, ist das nicht dasselbe?

Den Meistern des japanischen Bogenschießens ist es gar nicht so wichtig, ob der Pfeil ein bestimmtes Ziel trifft oder nicht. Aus diesem Grund ist es sogar unsinnig, überhaupt ein Ziel anzuvisieren. So ist das Erste, was ein Schüler lernt, die Fähigkeit irgendetwas annähernd zu wiederholen. Das bedeutet, dass man lernt, seine Bewegungen bewusst zu machen. Gleichgültig, ob dieses Können nach einem späteren Maßstab ein Fehler ist oder nicht. Dieses irgendetwas, quasi seinen derzeitigen Ist-Stand in seiner Variationsbreite zu beherrschen ist die Voraussetzung für jedes solide Lernen. So stellt sich die Frage nach einer richtigen oder falschen Ausführung erst gar nicht.

Das Bogenschießen selbst beginnt damit, dass durch ruhiges Atmen und Konzentration die Situation vereinfacht, Ruhe und Klarheit gewonnen werden und die Umwelt mit den Augen gelassen wahrgenommen wird. Die Hand öffnet sch dann gleichsam absichtslos, wodurch sich der Schuss löst. Das geistige Mitfliegen mit dem Pfeil, wohin dieser auch immer gehen mag, ist wichtig. Falsch wäre es, ein Ziel anzuvisieren und -sich selbst verkrümmend- bei danebengehenden Schüssen hinterher zu fliegen, wie wir es häufig bei Keglern beobachten können, wo manche die rollende Kugel durch eigene Körperverrenkungen doch noch ins Ziel dirigieren wollen. Diese Kegler sind dann auch nicht in der Lage Ihre Fehler annähernd zu wiederholen, denn diese streuen sich eher zufällig um das Ziel.

Wenn ich also jemanden das Treffen lehren will, so muss ich ihn dazu bringen nicht zu zielen. Er soll einfach schießen und sich innerlich intensiv in den fliegenden Pfeil hineinversetzen und die tatsächliche Auftreffstelle klar ins Auge fassen. Hierfür brauche ich eine Schusswand, die in klar erkenn- und benennbare Felder eingeteilt ist, sodass ich dem Schützen die Aufgabe stellen kann, die Trefferstelle klar ins Auge zu fassen und sofort laut zu rufen. Dann kann ich dazu übergehen, ihn aufzufordern, die Trefferstelle kurz vor dem Auftreffen zu rufen, also eine Prognose zu stellen. Diese Prognose erfolgt dann immer früher – bis sie dann in Perfektion vor dem Schuss gestellt werden kann. Um dann zum Zielen überzugehen, werde ich sodann die Aufgabe stellen, mit dem folgenden Schuss jeweils die Trefferstelle des vorangegangenen Schusses zu treffen.

Durch dieses Training lernen die Schüler letztlich besser auf einen vorgegebenen Punkt zu schießen, als wenn sie bereits von Anfang an mit der bei uns üblichen Festpunktzielung auf ein fixes Ziel trainiert hätten.(nach Horst Tiwald: Psychotraining im Kampf- und Budosport, S .42 ff)