Richtig und Falsch
Richtig und Falsch… sind, wenn man es ganz genau sieht, Schwestern in der Familie des Irrtums. Oder anders: Richtig zu liegen, ist in Zeiten, wo Regeln, Leitwerte und Prinzipien immer mehr außer Kraft gesetzt werden und Bedingungen sich von gestern auf heute verändern… nicht (mehr) so ganz einfach, oder?
Der Transformations-Forscher Eckehard Binas spricht von einer „Hypertransformation“, einer Art Treibhaussituation des Wandels, die ständig am Rande des Kollapses entlangmäandert. Einem überhitzten Hochofen der Veränderung…
Mein provokativer Impuls: Mach‘ alles falsch, aber richtig… was meine ich damit?
Ich meine damit zunächst einmal die übliche, konventionelle Ebene von richtig und falsch zu verlassen. Sich an dem Üblichen, am anderen zu orientieren, zieht einfach nicht mehr – funktioniert immer weniger.
Goldene (situationsübergreifende) soziale Spielregeln haben als Korrektiv an Bedeutung verloren. Nicht nur, weil soziale Ordnungen (nach einer Idee von Wilhelm Reich) die neurotische Frustschicht regulieren helfen. Schwindet diese… den Rest überlasse ich deiner Fantasie…😉
Dies insgesamt macht Menschen, die beispielsweise ihre Zugehörigkeit über Anpassung – ihr soziales Gewissen – organisieren, oft massiven Stress.
Was bleibt?
Zum Beispiel der Wechsel von äußeren hin zu inneren Bezügen oder Referenzen. Wenn Allgemeingültiges an Vereinbarung und Wert verliert, sind wir dann nicht auf uns selbst und unser eigenes Wertesystem zurückgeworfen?
Im Ernst, was ich sagen möchte, ist:
Vertraue noch tiefer, was an wesentlicher Führung oder als Antwort tief in dir entsteht. Sei ehrlich, sei „auf-richtig“… mit dir und der Welt!
Man nennt das moderaten Individualismus: Meinungen anderer sind interessant, aber nicht entscheidend.
Und, damit ich nicht „unrichtig“ verstanden werde… das ist keine Aufforderung zum „Sich gehen lassen“ – ganz im Gegenteil. Es bedeutet Verantwortung!
Für den Kontakt zur eigenen Tiefe; es bedeutet zu fühlen, was ist und das eigene Empfinden klar und eindeutig zu kommunizieren. Und es bedeutet, mit dem situativ umzugehen, was dann entsteht.
Will sagen: Es ist viel leichter beschrieben, als gelebt und führt – über Strecken – auf einen Weg jenseits der Herde. Mit allem was dazugehört…
Also als appellatives Fazit:
Erlaube dir (immer öfter), es „falsch“ zu machen. Man kann es nicht (schon gar nicht für alle) richtig machen. Alle Bewertungen sind in letzter Konsequenz nur persönliche Perspektiven und schaffen keinen Wert an sich. Wie sagte Heinz von Förster: „Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners…“.
Gutes Gelingen…
Danke für das Lesen meiner Worte.…
Herzlichst
Jürgen Weist