Kommunikationsprobleme im Alltag

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Im Blickpunkt: Kommunikationsprobleme im Alltag

von Jürgen Weist

Letzte Woche habe ich meinen Freund Jörn getroffen. Wir beiden bringen zusammen bestimmt ungefähr 50 Jahre Coach- und Trainer-Dasein auf die Waagschale. Eines der Themen, das wir in unserem lockeren Austausch (als alte Profis???) berührten, war das Thema, wie oft Kommunikation allein schon deswegen „in die Hose geht“ oder wir weit unterhalb unserer Möglichkeiten bleiben, weil Menschen in ihren inneren „Filmen“ fest stecken ...

In Filmen feststecken, meint soviel wie: Glauben zu wissen, was wirklich ist, bewusste oder noch besser, unbewusste Glaubenssätze zu zelebrieren, in Identifikationen („so ist man halt“) festzuhängen, auf „richtig und falsch“-Positionen zu beharren, das „andere-sind-Schuld“-Spiel“ zu spielen. Wie auch immer, auf den Punkt gebracht bedeutet das: Im Denken verhaftet, können Sie Wirklichkeit nicht von Ihrer Interpretation unterscheiden und das ist oft der Bodensatz für Effekte wie:

  • Konflikte aller Arten
  • Missverständnisse & Misserfolge
  • Beziehungsproblematiken
  • Ungenutzte Möglichkeiten
  • Leiden in unterschiedlichster Form

Wenn Sie damit bewusster oder angemessener umgehen möchten, dann helfen vielleicht Fragen wie:

  • Mit welchen Aspekten oder Personen hadere ich gern/ bevorzugt?
  • Wann habe ich das Gefühl, meine Reaktionen sind nicht so ganz passend?
  • Wo/ wann treten Effekte – wie oben beschrieben – auf? Welche, wann, wo, wie gehäuft?
  • Wo habe ich das Gefühl, unterhalb meiner momentanen Möglichkeiten zu bleiben?
  • Welche Aspekte in meinem Leben erlebe ich aktuell eher als leidvoll/ unbefriedigend?

Und wenn Sie Ihre Antworten auf diese Fragen formuliert haben, dann kann ich Ihnen noch ein paar Ideen und Impulse aus meinem Erfahrungsschatz anbieten. Entspannend - im Sinne des Wortes - und hilfreich können sein:

  1. Allein das Bewusstsein über diese Dynamik zu haben („da steckt jemand in seinem Film/ seiner Interpretation fest“) oder die Frage: „In welchem Film stecke ich/ mein Gegenüber gerade?“ eröffnet oft neue Möglichkeiten.
  2. Die Haltung, dass niemand, absolut niemand die ganze Wirklichkeit wirklich kennt – wir alle kennen nur relative Teilwahrheiten. Fragen Sie sich, ob miteinander verbundene Teilwahrheiten nicht den Blick auf eine umfassendere Wirklichkeit gestatten?
  3. Hilfreich ist auch die Annahme, dass derjenige, der weniger „feststeckt“ (flexibler ist), mehr Prozessverantwortung hat … er hat die größte Chance - weil meist beweglicher - einen „guten Ausgang“ zu (er)finden.
  4. Schlagen die Wellen der emotionalen Reaktionen gerade maximal hoch, ist Gelassenheit und/ oder Timing meist eine passende Empfehlung. Auch intensivster Wellengang beruhigt sich irgendwann und dann wird es leichter …
  5. Mehr mit Gefühl: Die Frage, wenn ich die Erfahrungen des/der anderen so gemacht hätte, würde ich dann nicht auch so oder ähnlich reagieren? Mitgefühl zu praktizieren, heißt ja eben nicht automatisch, dass man mit etwas komplett (in der Form) einverstanden ist. Aber Verständnis kann eine Art Brücke sein, über die hinweg Gemeinsamkeit entstehen kann.
  6. Als „Extra“: Eine zugegeben etwas ungewöhnliche Perspektive ist: Fragen Sie sich einmal, wie wichtig wird „das“ (für mich) in dreihundert Jahren noch sein?

So … ich hoffe, Sie können für sich ein wenig „kommunikativen Honig“ aus dem Gespräch zwischen zwei Freunden ziehen. Wenn da nur ein paar klitzekleine Ideen und Anregungen für Ihren Alltag dabei waren, so würde mich das sehr freuen.

Ich freue mich schon jetzt auf Ihre Meinungen und ergänzenden Hinweise und ggf. auch Widersprüche. Schreiben mir einfach eine Mail. Wenn es mir möglich ist, antworte ich auf Ihre Nachricht. Vielen Dank.

Ihr

Jürgen Weist